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Die Zettel - Widukind-Stiftung

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"Die Kreativität gönnender Begegnung"
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Ein Gedanke aus dem Korb

?

Begegnung

Du musst nicht fertig sein, um anderen begegnen zu können.

Es wäre schön, wenn wir einander nicht nur zuhören, sondern uns gegenseitig wahrnehmen.
Das ist nicht ganz dasselbe.

Jeder Mensch bringt etwas mit, das kein anderer mitbringen kann.
Und jeder Mensch bringt Grenzen mit, die wir gemeinsam tragen können.
Beides gehört hierher.

Vielleicht ist das Kostbarste, was wir einem Menschen schenken können, nicht unsere Antworten,
sondern unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.

Manchmal genügt eine einzige aufmerksame Begegnung, damit ein Tag anders weitergeht.

Vielleicht ist Aufmerksamkeit die angenehmste Art von Zuneigung.

Es ist nicht wenig, einem Menschen das Gefühl zu geben, dass er da sein darf.

Kann man sich in deiner Energie wohlfühlen?

Sie stand nie darüber – sie blieb in der Begegnung.

Der Plan war gut. Dann kamen die Menschen.

Vielleicht fehlt uns weniger Intelligenz als Verbindung.

Gastfreundschaft beginnt manchmal vor der Tür.

Jetzt geh und schau, was die anderen machen.

Nicht die Form macht die Begegnung. Aber sie kann ihr im Weg stehen.

Wer nichts beitragen möchte, darf trotzdem dazugehören.

Manchmal entdecken wir erst miteinander, was jeder für sich gar nicht gesucht hätte.


Manche Dinge werden schön, wenn wir sie miteinander bewohnen.

Lass dem anderen einen Raum, in dem er sich selbst begegnen kann.

Manchmal geschieht das Wichtigste zwischen zwei Sätzen.

Zwischen uns darf etwas entstehen, das keiner von uns gemacht hat.

Man muss nicht immer wissen, wohin ein gemeinsamer Weg führt.

Nicht jede Meinungsverschiedenheit ist ein Problem. Manchmal ist sie eine Zeichen dafür, dass man nicht alleine ist.

Nicht jede Begegnung braucht ein Ergebnisprotokoll. Manche darf man einfach mit nach Hause nehmen.

Wir müssen nicht alles verstehen, um einander nahe zu sein.

Begegnung beginnt vielleicht dort, wo niemand mehr etwas vom anderen braucht.

Es muss nicht passen. Es darf zusammenleben.

Nicht jeder muss etwas beitragen, aber jeder darf.

Ein Dach schützt vor Regen, Schnee oder Sonne.
Aufmerksamkeit manchmal vor vielem anderen.

Zuhören heißt nicht warten, bis du dran bist.

Wer zuhört, verändert manchmal schon etwas, ohne ein Wort zu sagen.

Du musst nicht antworten, nur weil jemand gesprochen hat.

Manchmal hört man besser, wenn man nichts sagen muss.

Vielleicht ist Nähe nicht die kürzeste Entfernung.

Wir wissen nicht, wie viele Begegnungen uns noch bleiben.

Manchmal begegnet man einem Menschen erst, wenn man aufhört, etwas von ihm zu wollen.

Vielleicht ist Nähe der Mut, nicht interessant sein zu müssen.

Manchmal ist ein Mensch genau dann bei dir, wenn er nichts für dich tun kann.

Vielleicht müssen wir nicht zuerst klären, wohin wir gemeinsam wollen.
Vielleicht genügt es, uns so zu begegnen, dass wir anschließend mehr Möglichkeiten sehen als vorher.

Du musst aus einer Begegnung nichts machen. Aber du darfst dich überraschen lassen, was sie aus dir macht.

Manchmal beginnt Begegnung dort, wo das Gespräch keinen Zweck mehr hat.

Schau einmal, wer da ist, bevor du fragst, was er kann.

Wir müssen einander nicht ähnlich sein, um uns nahe zu kommen.

Man kann Verschiedenheit auch einfach genießen.

Nicht jeder Mensch, der in dein Leben kommt, soll bleiben. Manche sollen etwas öffnen.

Nicht jede Nähe braucht Berührung.

Erwartungen sind manchmal Pläne, die der andere nicht unterschrieben hat.

Es gibt einen Unterschied zwischen Beobachten und Begegnen.

Du musst nicht gesellig sein, um verbunden zu sein.

Man erkennt gute Gesellschaft manchmal daran, dass man aufhört, auf die Uhr zu schauen.

Vielleicht sehen wir einander erst richtig, wenn wir aufhören, uns gegenseitig einzuordnen.

Es gibt Menschen, die Antworten geben.
Und Menschen, bei denen Fragen gut aufgehoben sind.

Es gibt Begegnungen, die uns deswegen verändern, weil sie es gar nicht wollen.

Es gibt Begegnungen, nach denen sich nichts verändert hat – aber es fühlt sich alles anders an.

Manchmal wächst Vertrauen nicht dadurch, dass wir alle Antworten haben,
sondern dadurch, dass wir Fragen miteinander aushalten.

Vielleicht entsteht Begegnung dort, wo Menschen einander nichts beweisen müssen.

Wir müssen nicht außergewöhnlich sein, um Außergewöhnliches miteinander zu erleben.

Ein schöner Akkord entsteht nicht dadurch, dass alle den selben Ton spielen.

Man muss nicht dieselben Stimmen haben, um gemeinsam zu singen.

Egal welches Thema wir anfangen – hier heißt es Begegnung.

Der kürzeste Weg ist manchmal der Umweg über einen Menschen.

Beginnt Begegnung, wenn niemand mehr im Mittelpunkt steht?

Wenn der andere zu sehen beginnt, ist genug erklärt.

Ein Guter Rat ist manchmal viel wert.
Der Respekt vor Entscheidungen – oft das größere Geschenk.

Wie lebst du Freundschaft?

Hör einmal zu, bis der andere fertig ist.

Ein Freund muss nicht alles können. Aber Aufmerksamkeit ist oft schon viel.

Wer teilt, wird nicht kleiner. Er wächst sogar mit den Anderen.

Nicht jeder Sieg macht immer froh. Aber jeder Freund.

Lachen passt in jede Tasche.

Freunde erkennt man manchmal daran, dass man neben ihnen still sein kann.

Die erste Deutung einer Situation sollte die freundlichste sein, die die Wirklichkeit noch zulässt.
Nicht die blindeste. Nicht die naivste. Aber die freundlichste.
Denn wir wissen meistens zu wenig voneinander.

Wie dringend ist eine erste Einschätzung noch, wenn wir bereit sind, sie gleich wieder zu korrigieren?

Jeder Mensch trägt etwas Eigenes. Wie ist Begegnung in dem Bewusstsein,
das nur langsam zu  erkennen?

Was alles siehst du gerade noch nicht?

Das eben war keine Backpfeife. Sondern, er tastet stolpernd im Dunkeln.
Einhaken und einladen oder Abstand halten.

Wenn Menschen uns einmal in guter Erinnerung behalten sollten,
dann hoffentlich, weil sie in unserer Nähe ihrer eigenen Güte begegnen konnten.

Begegnung kann ein Ort sein, an dem Vorstellung von Wirklichkeit abgelöst wird.

Begegnung geschieht nicht hinter Panzern.

Vielleicht beginnt Begegnung erst dort, wo Menschen wieder wichtiger werden,
als das Erreichen von Zielen und die Verteidigung von Bildern.

Besteht Weisheit vielleicht gar nicht darin, die Wahrheit zu verkünden,
sondern die Tür zu finden, durch die ein Mensch sie überhaupt betreten kann?

Manche gute Freundschaften entstehen nebenbei.

Wer mit dir lachen kann, muss nicht alles über dich wissen.

Manchmal ist die freundlichste Berührung ein wenig Abstand.

Auch Grenzen können gastfreundlich sein.

Manchmal hilft es am meisten, wenn zwischen zwei Menschen nichts von einem selbst steht.

Wenn es zwischen zwei Menschen gut wird, muss niemand wissen, wer es gemacht hat.

Manchmal lohnt es sich, zuzuhören, obwohl man schon verstanden hat.

Lass dem anderen seine Geschichte.

Es ist schön, dich lachen zu hören.

Du musst gerade nichts halten. Du darfst dich anlehnen.

Du bist nicht allein damit.

Natürlich.

Du musst nicht dankbar sein, dass du hier sein darfst. Wir sind dankbar, dass du da bist.

Ich sehe, dass du gerade viel im Kopf hast. Sollen wir über etwas ganz anderes reden?

Du brauchst dich nicht zusammenzureißen. Ruh dich aus.
Wir sitzen nur ein bisschen neben dir.

Keine Sorge. Du musst nicht allein hinüber.

Du musst dich nicht verstecken. Wir kennen das.

Du bist deswegen nicht weniger liebenswert.

Du musst nicht auf alles achten. Wir passen ein bisschen mit auf.

Lach ruhig lauter.

Manchmal ist „Ich bin da“ das Schönste, was ein Mensch sagen kann.

Vielleicht nimmst du ein kleines Stück von hier mit.
Nicht in der Tasche. In deiner Art, jemandem zu begegnen.

Du musst mich nicht mögen, damit ich dich respektiere.
Du musst mich nicht verstehen, damit ich dich anhöre.
Du musst nicht so sein wie ich. Bitte bleib anders.
Sonst wird es hier ziemlich langweilig.

Deine Andersartigkeit ist kein Problem, das ich lösen muss.

Manche Menschen bleiben länger in uns, als sie bei uns bleiben konnten. Schön, dass sie da waren.

Nicht füreinander bestimmt – füreinander da.

Wir müssen nicht dasselbe können, um etwas miteinander zu machen.

Wir verstehen dich nicht. Wir wissen nicht, was du brauchst. Vielleicht müssen wir das auch nicht.
Du  öffnest etwas. Dein Weg ist so anders. Vielleicht dürfen wir ein Stück mitgehen.
Vielleicht verstehen wir dich später. Jetzt können wir erst einmal da sein.
Was du daraus machst, wissen wir nicht. Das ist gerade das Schöne.
Wir hatten dich falsch verstanden. Danke, dass du geblieben bist.
Wir haben keinen Platz für dich vorbereitet. Wir haben Platz gelassen.
Du hast etwas mitgebracht, von dem wir noch nicht ahnten, dass es uns fehlt.
Wie eine Antwort auf eine Frage, die wir noch nicht stellen konnten.

Wir bewundern dich nicht dafür, dass du es schwer hattest.
Wir freuen uns darüber, was du daraus machst.

Vielleicht begegnen wir uns später anders.

„Weißt du das noch?“, „Ja, das ist bei mir geblieben.“

Nicht jede Begegnung ist angenehm. Manche wird später kostbar.

Wir wollten Kreativität fördern. Vielleicht beginnt sie heute damit, dass wir einander wahrnehmen.

Wem möchten Sie heute die Freiheit schenken, einfach zu sein?

Nicht alles Gute entsteht durch Tun. Manches entsteht dadurch,
dass wir einem anderen nicht im Weg stehen.

Vielleicht ist der tiefste Wunsch eines Menschen nicht, bewundert zu werden,
sondern willkommen zu sein.

Was würde heute wachsen, wenn niemand Angst hätte, sich zu blamieren?

Vielleicht wartet heute nicht das Leben auf Ihre Entscheidung. Sondern ein Mensch.

Vielleicht ist Würde nichts, was wir besitzen. Sondern etwas, das wir einander gewähren.

Vielleicht ist Neid nur eine schmerzliche Erinnerung daran,
dass wir verlernt haben, uns für andere zu freuen.

Vielleicht ist der Mensch vor Ihnen gerade dabei, zum ersten Mal seit langer Zeit er selbst zu sein.

Was wäre, wenn niemand zufällig in Ihrem Leben erschienen wäre? Niemand heute zufällig hier ist.

Die Qualität einer Begegnung zeigt sich vielleicht weniger daran, was gesagt oder getan wurde,
als daran, wie Menschen auseinandergehen.

Manchmal ist ein Mensch schon dadurch ein Geschenk, dass er bleibt.

Vielleicht ist das Gegenteil von Angst nicht Mut, sondern Getragensein.

Vielleicht beginnt Gemeinschaft erst dort, wo Vergleich endet.

Es gibt Begegnungen, die keine Lösung bringen – und trotzdem etwas heilen.

Welche Begegnung hat heute etwas in Ihnen weiter werden lassen?

Wer hat Sie heute einfach sein lassen?

Wer hat Ihnen heute Platz gemacht?

Schauen Sie sich um. Vielleicht ist noch jemand da, dem Sie noch nicht wirklich begegnet sind.

Sagen Sie einem Menschen heute noch etwas, das Sie schon lange gedacht haben.

Das Leben schuldet uns keine Antworten. Aber manchmal schenkt es Begegnungen.

Es gibt Menschen, denen wir erst Jahre später danken können.

Welche Begegnungen haben Sie zu dem Menschen gemacht, der Sie heute sind?

Wann haben Sie zuletzt einem Menschen angesehen, dass er sich Mühe gibt?

Welchen Menschen haben Sie innerlich längst aufgegeben?

Wem gönnen Sie heute von Herzen, dass sein Leben gelingt?



Raum

Nicht jede Nähe muss enger werden.

Auch Verschiedenheit kann ein gemeinsamer Raum sein.

Manches Wesentliche betritt den Raum, wenn wir aufhören, ihn zu füllen.

Ein guter Raum lässt dich sein, bevor du etwas kannst.

Was werden will, braucht manchmal nur einen guten Raum.

Manchmal ist die schönste Form die, in der etwas anderes sichtbar wird.

Ein Fenster öffnet einen Raum. Ein Mensch kann dasselbe tun.

Man kann einen Raum so schön machen, dass niemand mehr hineingehen möchte.

Ein Raum voller Möglichkeiten kann anstrengender sein, als ein leerer.

Manches braucht Form. Manches braucht Freiheit.

Ein guter Rahmen lässt das Wesentliche größer werden.

Die schönste Form ist manchmal die, die sich zurücknimmt.

Ein Ort für Menschen sollte Menschen aushalten.

Es gibt Räume, in denen man sich wieder findet.

Ein guter Rahmen lässt auch das Ungeplante gut aussehen.

Der Raum gehört sich selbst. Wir müssen ihn nicht verbessern. Wir sind seine Gäste.

Bevor du mir sagst, was es bedeuten könnte, lass uns noch sehen, was es mit uns macht.

Lass uns erst einmal schauen, was zwischen uns geschieht.

Lass uns nicht zu schnell wissen, was gerade geschieht.

Bevor wir uns eine Meinung bilden, können wir uns noch ein wenig begegnen.

Lass uns dem Moment nichts vorwegnehmen.
Vielleicht zeigt sich etwas, wenn keiner von uns vorgibt, es schon zu kennen.

Lass uns dem Unbenannten noch etwas Zeit lassen. Vielleicht findet es selbst zu uns.

Was zwischen Menschen entsteht, ist manchmal schneller zu spüren als zu erklären.
Und das reicht dann vielleicht auch schon.

Vielleicht ist das erste Verstehen noch gar kein Gedanke.

Lass dem Erleben einen Augenblick Vorsprung vor dem Erklären.

Vielleicht braucht Wahrnehmung keinen Dolmetscher.

Wir können später darüber sprechen. Jetzt könnten wir erst einmal da sein.

Warte. Spürst du es auch? Lass uns kurz nichts daraus machen.

Bevor wir wissen, was geschieht, könnten wir noch einen Augenblick zuhören.

Jetzt scheint etwas zu beginnen, das darauf gewartet hat, bis wir dachten, wir seien fertig.

„Wir sind fertig.“, bedeutet für das Wesentliche: Wir sind nun bereit.

Vielleicht musste erst alles fertig werden, damit wir bemerken konnten,
dass es noch gar nicht angefangen hat.

Manches wartet vielleicht nicht auf unsere Entscheidung.
Es wartet darauf, dass wir mit dem Entscheiden fertig sind.

Vielleicht beginnt das Neue dort, wo unser Wissen aufhört, was als Nächstes kommen soll.

Wir haben den Raum vorbereitet. Jetzt darf er uns überraschen.

Wir haben alles bereitgestellt. Nun werden wir sehen, was der Moment davon brauchen kann.

Vielleicht ist Fertigwerden manchmal nur das Aufräumen, bevor etwas wirklich beginnt.

Vielleicht ist Geduld eine Form des Bauens, bei der man nichts baut.

Jetzt müssen wir nicht wissen, was hier geschehen wird. Jetzt dürfen wir lernen, geschehen zu lassen.

Manche Räume betritt man erst, wenn man aufhört, sich richtig benehmen zu wollen.

Der Raum wartet nicht auf dich. Er ist schon da.

Wir wollten etwas entstehen lassen. Und mussten feststellen, dass es längst begonnen hatte.

Manches beginnt nicht mit einem ersten Schritt, sondern mit dem Augenblick,
in dem wir merken: Es ist  schon unterwegs.

Es ist anders geworden. Lassen wir es.

Damit hatten wir nicht gerechnet. Umso besser.

Vielleicht ist das Leben das, was zwischen unseren Vorhaben hindurchkommt.

Was muss noch gelingen, wenn es längst geboren wurde,
und der Raum zeigen will, wie es wächst?

Und als nach den letzten Tönen des Gründungskonzertes Stille entstand,
war das Konzert nicht beendet, sondern angekommen. Etwas Neues geboren.
Nicht gemacht. Nicht beschlossen. Nicht bewiesen. Nicht  gegründet.
Sondern geboren. Kein „Schau, was wir können! “,
sondern „Fühl, was da ist.“

Ein guter Raum sagt nicht, was man fühlen soll.

Ein Raum darf mehr können, als man geplant hat.

Du darfst traurig sein, ohne den Raum zu verlassen.

Du kannst jemandem Raum geben, ohne ihn allein zu lassen.

Vielleicht ist Weite eine Erfahrung und keine Entfernung.

Manchmal ist Weite eine Frage des Abstands.

Manchmal ist eine Begrenzung genau das, was einem Gedanken Flügel gibt.

Wer immer Türen offenhält, braucht irgendwann einen Raum zum Bleiben.

Ein freundlicher Blick kann einen ganzen Raum verändern.

Man kann einen Raum betreten und plötzlich mehr von sich selbst bemerken.

Wer einen Raum beherrscht, ist noch lange nicht sein Gastgeber.

Manche Menschen geben dir nichts. Aber Raum.

Vielleicht ist Aufrichtigkeit eine Form von Gastfreundschaft.

Vielleicht ist Heimat ein Ort, an dem niemand fragt, warum du noch da bist.

Ein guter Ort sammelt keine Dinge. Er sammelt Geschichten.

Manche Orte bleiben in uns, obwohl wir längst gegangen sind.

Wir bauen den Raum. Die Begegnung müssen wir uns gönnen.

Ein guter Raum hat nicht nur Platz für Nähe. Er hat auch Platz für Rückzug.

Wer bleiben darf, muss auch gehen dürfen.

Vielleicht ist „Erhebend im Raum“, dass nichts erhöht werden muss.

Wir geben einander Raum. Und schauen, was darin geschieht.

Wir wollten etwas hervorbringen. Aber es wollte sich zeigen.

Wir wollten den Raum füllen. Dann kam jemand herein.

Wir dachten, wir seien fertig. Dann war plötzlich Platz.

Wir haben die Tür geöffnet. Den Raum habt ihr entstehen lassen.

Ein Raum kann unendlich weit werden, ohne langweilig zu werden.

Ein wirklich freier Raum ist nicht nur einer, in dem Begegnung gelingt.
Es ist einer, in dem auch ein Nichtgelingen nicht sofort zum Problem wird.

Vielleicht ist Liebe die Bereitschaft, einem anderen Raum zu geben.

Es gibt Menschen, die einen Raum betreten und füllen. Interessant.
Andere weiten ihn. Wundervoll.

Wohnt Würde etwa dort, wo niemand sie einfordert?

Harmonie – sicher. Aber ein Lebendiger Ort, muss nicht ständig versuchen,
für alle angenehm zu  sein.



Transformation

Vielleicht besteht der größte Erfolg nicht darin, dass sich Menschen ändern.
Sondern darin, dass sie sich zeigen.

Der Mensch ist mehr als das, was er gerade zeigt.

Wovor schützen Sie sich noch, obwohl längst niemand mehr angreift?

Wer sich selbst ständig optimiert, sollte gelegentlich prüfen, ob er sich noch gefällt.

Vielleicht beginnt Freiheit dort, wo Ausreden enden.

Freiheit? Alles loslassen? Auch die Krücken?

Wer will, darf die Seite wechseln. Es geht jetzt mal um die Innenseite.

Manche Türen sind –
gar nicht verschlossen.

Aufmerksamkeit verändertet Menschen vielleicht  nicht nur in unseren Augen, sondern auch in ihren eigenen.

Wahrnehmung. Wenn ein Mensch weniger Angst, weniger Verwirrung
und mehr Klarheit empfindet, weil er die Situation deutlicher und reiner sieht –
das ist eine der schönsten Formen der Entlastung.
Nicht, weil dessen Anforderungen verschwinden,
sondern weil er aufhört, ihnen ständig etwas hinzuzufügen,
was gar nicht da ist.

Schau hin, da ist etwas, das vielleicht wahr ist. Was machst du damit?

Was sagt dir „Wesenstreue“?

Bist du bereit, dass die Wirklichkeit größer sein könnte, als deine Vorstellung?

Bist du bereit, selbst der Mensch zu werden, der eine unerwartete Wahrheit überhaupt annehmen könnte.

Bist du bereit für jede Antwort?

Bist du bereit?

Vielleicht ist Offenheit der Mut, sich von der Wahrheit treffen zu lassen.

Unsere Haltung muss vielleicht gar nicht immer bestätigt werden.
Sie darf sich manchmal auch als falsch erweisen.
Nicht: „Ich bin offen und deshalb habe ich recht.“
Sondern: "Ich bin offen genug, mich von der Wirklichkeit treffen und korrigieren zu lassen."

Nicht jede Wahrheit lässt sich lernen. Manche muss einen treffen.

Bereit, sich treffen zu lassen, wird der Mensch vielleicht nicht, weil er stark ist,
sondern weil er ahnt, dass das Wesentliche in ihm tiefer reicht, als jede Verletzung.

Man muss einem Menschen nichts wegnehmen. Manchmal genügt es, ihm etwas Schöneres zu zeigen.
Wandel geschieht oft tiefer durch eine erfüllendere Erfahrung – als durch den besseren Rat.

Du darfst dich selbst überraschen.

Vielleicht bist du größer, als deine Angst erlaubt.
Vielleicht ist der nächste Schritt kleiner, als dein Stolz erlaubt.

Vielleicht bist du nicht unentschlossen. Vielleicht hast du nur zwei gute Möglichkeiten.

Vielleicht wartet die richtige Antwort gerade darauf, dass du die falsche Frage vergisst.

Was wäre, wenn das Wesentliche gar nicht anwesend sein muss, um etwas zu verändern?

Noch ist alles möglich. Noch ist nicht alles nötig.

Du darfst aufhören, eine alte Version von dir zu verteidigen.

Nicht jeder, der dich kennt, kennt dich noch.

Vielleicht sind manche Probleme inzwischen nur noch viel zu gut eingeübt.

Vielleicht nimmst du vom Lagerfeuer nichts mit. Vielleicht genau das.

Vielleicht ist unsere Essenz einfach der Teil von uns, der sich nicht optimieren lässt.

Werde, was du bist. Aber lass dich überraschen.

Vielleicht ist „Entfaltung“ nicht, mehr aus sich zu machen.
Vielleicht ist es, weniger gegen sich zu arbeiten.

Vielleicht musst du nicht mehr werden. Vielleicht darf jetzt einfach etwas in dir auftauchen.

Du musst nicht wissen, was aus dir wird.
Vielleicht wartet schon etwas darauf, dich damit zu überraschen, was du bist.

Vielleicht wartet das, was du so ersehnst, auf dich.

Manches braucht vielleicht unsere ständiges Drängen, damit wir es irgendwann erschöpft in Ruhe lassen.

Vielleicht musst du nicht zu dir finden. Vielleicht musst du nur aufhören, vor dir wegzulaufen.

Vielleicht bist du nicht auf dem Weg zu dir. Vielleicht kommst du gerade davon zurück.

Vielleicht ist Vollkommenheit nicht, dass nichts mehr fehlt.
Vielleicht ist sie, dass das Fehlende nicht mehr alles bestimmt.

Glaubst du, dass es auch anders gehen könnte?
Vielleicht eine andere Art des Menschseins möglich ist?

Wir sind noch nicht ganz dort. Deshalb gibt es diesen Ort.

Vielleicht zeigt sich ein Mensch erst dort, wo niemand mehr versucht, ihn zu machen.

Manche Türen öffnen sich nicht durch Drücken, sondern durch Geduld – sie haben ein Zeitschloss.

Manchmal kommt Hilfe nicht dadurch, dass etwas verschwindet, sondern dadurch, dass jemand nicht wegläuft.

Es gibt Schmerzen, die keine Erklärung brauchen, sondern einen Menschen.




Weltbild

Vielleicht gibt es Wahrheiten, die erst sichtbar werden, wenn niemand mehr versucht, Recht zu haben.

Vielleicht verändert sich die Welt, mit dem Blick der Menschen auf sie.

Hat das Leben dich eigentlich zum Freund?

Hast du zu wenig Zeit, oder zu viele Dinge darin?

Was willst du aus deinem Leben mehr machen, als Leben?

Das Leben muss nicht erst verstanden werden, damit wir freundlich mit ihm umgehen.

Sei gut zu dem, was gerade da ist.

Dürfen die Dinge ihre Größe selbst bestimmen?

Ein Weltverbesserer kann gewiss auch den Tisch schön decken.

Du kannst keinen Frieden garantieren. Aber du kannst heute niemanden absichtlich verletzen.

Nicht alles ist deine Aufgabe. Aber manches schon.

Verantwortung heißt manchmal: jemanden holen, der es besser kann.

Wir müssen nicht wissen, was aus uns wird. Wir können einander dabei zusehen.

Darf der andere ein Geheimnis bleiben?

Man kann viel wissen und gerade nicht weiterwissen.

Niemand kann oder muss sich seine Würde verdienen.

Nicht alles, was man erklären kann, muss erklärt werden.

Bevor wir erklären, was hier geschieht – bleiben wir noch einen Augenblick dabei.
Vielleicht müssen wir es nicht verstehen, bevor wir es wahrnehmen.

Vielleicht ist Gastfreundschaft: Ich lasse dir Platz, ohne zu wissen, was du daraus machst.

Wir können das Fenster öffnen. Was jemand darin sieht, gehört ihm.

Wenn wir Licht hereinlassen, können wir nicht bestimmen, worauf es fällt.

Vielleicht ist das Neue nur der Weg, auf dem das Vergessene einen neuen Anlauf nimmt.

Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit dem Abschied vom Alten,
sondern mit einer neuen Art, es anzusehen.

Vielleicht war der Umweg kein Umweg. Vielleicht musste nur etwas Anlauf nehmen.

Erfindet der Frühling die Blumen neu, oder lässt sie wiederkommen?

Vielleicht liegt im Neuen etwas Altes, das endlich einen Weg zu uns gefunden hat.

Das Neue muss das Alte nicht überwinden. Vielleicht darf es ihm Raum schenken.

Manches verändert sich, indem es sich selbst treu wird.

Manchmal ist Umkehren kein Rückschritt, sondern der kürzeste Weg nach vorn.

Manchmal kommt das Neue nicht herein. Manchmal steht es plötzlich auf.

Manches braucht keinen neuen Weg. Nur jemanden, der ihn wieder betritt.

Vielleicht ist das Neue das Alte, das aufgehört hat, sich für das Alte zu halten.

Vielleicht muss nichts neu werden. Vielleicht darf es nur endlich werden.

Vielleicht kommt das Neue nicht, um das Alte zu ersetzen, sondern um ihm zu zeigen, was noch in ihm steckt.

Du hast im Alter nicht weniger zu geben, nur weil du nicht mehr alles kannst.

Was ist mutiger: Vorwärtsgehen oder Offenbleiben?

Du darfst einen Fehler gemacht haben. Es muss nicht gleich eine Eigenschaft von dir sein.

Du bist mehr als das, was noch nicht geklappt hat.

Vielleicht ist das Kleine nicht die Vorstufe zum Wesentlichen. Vielleicht ist es das Wesentliche.

Wird manches kleiner, sobald wir es erklären?

Bevor du fragst: „Was steckt dahinter?“, schau erstmal, was vor dir ist.
Nicht alles ist nicht die Verpackung von etwas anderem.

Wenn das Göttliche existiert, wird es unsere Begriffe vermutlich überleben.

Kann man sich auch auf dem richtigen Weg verlieren?

Das Leben hält sich nicht an unsere Kategorien. Es hat vermutlich Besseres zu tun.

Der Verstand darf alles hinterfragen. Auch sich selbst.

Mach es gut. Und mach es nicht zu wichtig.

Lerne. Und vergiss gelegentlich, was du gelernt hast.

Viele, die immer Recht behalten mussten, bezahlten dafür mit Nähe.

Es ist nie zu spät für etwas, das noch lebendig ist.

Manche Träume brauchen keine Erfüllung. Es reicht, dass sie uns begleitet haben.

Du bist nicht zu alt für einen Anfang. Du bist nur älter als damals.

Erfahrungen können zu Fesseln werden, wenn man sie mit Gewissheit verwechselt.

Vielleicht macht es nichts, wenn wir für komplizierte Lehren keine Verständnis haben.
Sie haben ja auch keines für uns.

Verändert uns mehr die Begegnung mit dem Außergewöhnlichen, oder,
dem Gewöhnlichen aufmerksam zu begegnen?

Vielleicht ist Einfachheit keine Bewusstseinsstufe,
sondern eine stets zugängliche Quelle von Wahrnehmung.

Man erkennt einen Menschen oft daran, wen er bemerkt.

Manchmal genügt ein Insekt, um einen Menschen kennenzulernen.

Wenn du etwas nicht weißt, darfst du staunen.

Welche Farbe war heute die schönste?

Welches Geräusch war heute das leiseste?

Wenn dein Tag heute ein Lied wäre – wie würde es klingen?

Was haben heute alle übersehen?

Formuliert echte Weisheit alle Erkenntnisse?
Oder möchte sie sie anregen – offenlassen - und dadurch ins Leben rufen?

Vielleicht müssen wir dem Leben nicht helfen.
Vielleicht genügt es, ihm nicht ständig im Weg zu stehen.

Vielleicht ist das Wichtigste, was heute geschieht, etwas, das niemand bemerkt.

Vielleicht besteht Aufmerksamkeit weniger darin, etwas zu suchen,
als darin, nichts vorschnell zu übersehen.

Wir können versuchen, aus jedem besonderen Moment etwas mitzunehmen.
Vielleicht genügt es jedoch manchmal, uns einfach von ihm berühren zu lassen.

Es gibt Augenblicke, in denen nichts geschieht – und dort beginnt etwas.

Ein Anfang sieht selten aus wie das, was später daraus wird.

Nicht alles, was klein beginnt, möchte groß werden.
Auch klein ist eine gültige Größe.

Der Regen gießt auch die Blumen, die keiner gepflanzt hat.

Der Mond leuchtet auch Menschen, die ihn nicht anschauen.

Die Sonne zählt nicht, wen sie wärmt.

Wenn du einen großen Stein aufhebst, hat die Erde darunter lange geschlafen.

Auch ein kleiner Vogel kennt den Himmel.

Wer findet mehr: der, der sucht, oder der, der staunt?

Jeder Wald hat seine eigene Stille.

Schau ruhig noch einmal hin. Hörst du es jetzt?

Gegenwärtig = gegen Warten.

Es war schon immer da.

Manchmal ist Staunen die angemessenste Form des Wissens.

Auch Nichtwissen kann aufmerksam sein.

Vielleicht ist Nichtwissen manchmal nur Wissen ohne Besitzanspruch.

Erfahrung muss nicht das Ende des Staunens sein.

Manchmal macht eine Erklärung aus einem Wunder eine Information.

Der Verstand darf mitkommen. Er muss nur nicht immer vorne gehen.

Niemand sieht deine Unsicherheit so deutlich wie du selbst.

Kinder brauchen nicht immer Beschäftigung. Manchmal brauchen sie Platz.

Wenn ein Kind etwas anders macht, schau erst einmal, ob es vielleicht etwas entdeckt hat.

Wer Kindern immer zeigt, wie es geht, erlebt weniger, wie sie es machen.

Auch alte Hände können etwas beginnen.

Das Leben hat kein Mindestalter für einen neuen Anfang.

Zu spät ist ein Wort, das das Leben erstaunlich selten benutzt.

Was etwas kostet, sagt nicht, was es wert ist.
Vieles, was nichts kostet, ist unbezahlbar.

Der Körper hat manchmal recht, bevor der Kopf es merkt.

Bist du ein Kopf mit Anhängseln?

Nicht alles, was dir begegnet, war für dich bestimmt. Es kann dich trotzdem treffen.

Zufälle müssen nichts bedeuten, um schön zu sein.

Man kann jemanden anschauen, ohne ihn zu sehen.

Manchmal ist ein schlichtes „Ich weiß es nicht“ näher an der Wahrheit als eine kluge Antwort.

Wer immer nach vorne schaut, sieht irgendwann nicht mehr, wer mitkommt.

Man kann auch zu früh verstehen.

Manche Antworten machen die Welt kleiner.

Hör auf, dich dabei zu beobachten, wie du lebst.

Du musst nicht wissen, wie du gerade wirkst.
Vielleicht bist du entspannter, wenn du nicht bemerkst, dass du entspannt bist.

Kann man sich selbst so lange betrachten, bis man sich nicht mehr begegnet?

Du darfst einen Moment erleben, ohne ihn innerlich zu kommentieren.

Manchmal ist Bewusstsein auch: vergessen, dass man bewusst sein wollte.

Vielleicht beginnt Wissen dort, wo Gewissheit aufhört.

Wer alles weiß, hat wenig Platz für Überraschungen.

Vielleicht muss man nicht weniger wissen. Nur weniger darauf bestehen.

Kann man Menschen so ansehen, dass sie spüren,
dass sie mit keinem äußeren oder inneren Urteil identisch sind?

Sind wir bereit, den verborgenen Adel gewöhnlicher Menschen zu entdecken?
Nicht den Adel der Herkunft. Nicht den Adel des Erfolgs. Sondern den Adel des Herzens.

Haben wir deswegen erst so wenig Außergewöhnliches gesehen,
weil es dort, wo es oft verborgen liegt, in unseren Augen nicht sein konnte?

Sind etwa sehr, sehr viele einfache Menschen schon dort,
wohin viele Karrierebücher nie führen?

Verantwortung heiß vielleicht:
Dem Leben gut zuhören. Mit Taten antworten.
Wieder der Antwort des Lebens lauschen.
Und wenn die Antwort nicht trägt –
die eigene Haltung korrigieren.

Komm, Freund, schauen wir einmal gemeinsam auf die Wirklichkeit.

Absolute Behauptungen und Normen können Druck machen.
Eine persönliche Erfahrung bietet ihr Ergebnis nur an.

Vielleicht ist  weniger entscheidend, welchen Platz ein Mensch in der Gesellschaft einnimmt,
als welchen Platz Menschen in seiner Gegenwart finden.

Nicht: "Ich habe verstanden, was Verantwortung ist."
Sondern: "Wie verhalten sich meine tatsächlichen Gewohnheiten
und meine Verantwortung für die Nächsten zueinander?"

Überblick braucht Perspektivwechsel oder wahre Größe –
oder die Leichtigkeit eines Vögelchens.

Oft entsteht plötzlich Gemeinschaft, wo die Starken für einen Moment darauf verzichten, den Takt vorzugeben.
Nicht weil sie weniger könnten, sondern weil dadurch etwas hörbar wird, das vorher keinen Platz hatte.

Geht es im Leben wirklich darum, eine Spur zu hinterlassen –
oder, Menschen zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden?

Was ein Mensch auch hinterlassen kann, außer Bewunderung für sich selbst, ist:
Mehr Vertrauen des anderen in das Gute, das bereits in ihm angelegt war.

Oft zählt: "Was gelernt? Was geworden?"
Manchmal auch: "Was ließ Menschen beginnen?"

Es gibt einen Unterschied zwischen Wegschauen und die eigene Aufmerksamkeit schützen.
Angemessenheit – gilt vielleicht auch für Aufmerksamkeit. Nicht jede Nachricht verdient dieselbe Aufmerksamkeit.
Nicht jede Empörung verdient dieselbe Energie. Nicht jede Debatte verdient dieselbe Zeit. Auch Aufmerksamkeit ist begrenzt.
Sie ist  vielleicht sogar unsere kostbarste Ressource. Aufmerksamkeit lässt sich nicht beliebig vervielfachen.
Sie verteilt sich und wird dünner.

Bevor wir versuch, die Wirklichkeit zu verändern, können wir lernen, sie noch genauer wahrzunehmen.
Nicht: Wie würde ich die Welt verändern? Sondern: Wie kann ich so aufmerksam werden,
dass meine Antwort – meine Verantwortung – der Wirklichkeit gerecht wird?

Ist Weisheit die Summe von Gewissheiten, oder die Bereitschaft,
der Wirklichkeit unvoreingenommen zu  begegnen, um angemessen und würdig zu handeln?

Die Bereitschaft, den Moment noch einmal anzuschauen, bis sich zeigt, was die Situation wirklich fordert,
das ist keine Technik. Es ist eine Form des Respekts vor dem Leben.

Manche Menschen hinterlassen keine Worte – nur eine Art zu schauen.
Man erkennt ihren Einfluss daran, dass man in ihrem Gedenken die Welt mit größerem Respekt ansieht.

Hast du Gedanken über Aufmerksamkeit und Achtsamkeit  – oder in?

Wofür benutzt du eine Aufmerksamkeit?

Bitte nicht alles beschriften. Denn sobald wir einen Titel darauf schreiben, sehen wir schon weniger davon.
(Layout: Wer einen Foto-Himmel beschriftet, hat vielleicht vergessen, dass man darin lesen kann.)

Das Wirkliche wird nicht erst durch unsere Erklärung bedeutend.
Es trägt seine Bedeutung bereits in sich. Wir dürfen lernen, sie zu sehen.

Vielleicht ist das JA die tiefste Form der Begegnung. Nicht ein naives Ja zu allem.
Sondern ein Ja zum  Leben, das gerade anklopft oder geht.
An den beiden Grenzen des Lebens steht nicht dieselbe Erfahrung,
aber vielleicht hilft dieselbe Haltung: ein tiefes Ja.

Vielleicht ist das freundlichste Schicksal nicht das Außergewöhnliche,
sondern dem Wesentlichen begegnet zu sein. Nicht, weil es leichter wäre.
Sondern weil es jedem offensteht – ganz unabhängig davon, welche Geschichte er mitbringt.

Zuversicht hat keine Antwort auf die Zukunft. Sie begegnet schon dem Jetzt so würdig,
wie es sich später wünschen ließe.

Vor diesem Menschen, bis an die Grenzen seines Daseins geprüft, neigt sich mein Haupt.
Denn groß waren die Schmerzen – aber Größer die Art, wie er sie trug.

Vielleicht war das Hindernis gar nicht im Weg. Vielleicht war es die Richtung.

Vielleicht ist ein Mensch manchmal ein Fenster, durch das etwas Größeres sichtbar wird.

Es gibt Dinge, die uns nicht weiterbringen. Sie machen uns nur weiter.

Manchmal wird etwas still, damit wir merken, dass es nie weg war.

Auch ein unsympathischer Mensch bleibt ein Mensch.

Vielleicht ist „unsympathisch“ manchmal nur ein anderes Wort für:
„Heute reicht es nicht für eine Begegnung.“

Vielleicht ist heute nicht der richtige Moment. Das macht noch keinen falschen Menschen.

Ist es langweilig, oder schauen wir nur nicht mehr richtig hin?

Manchmal hilft es vielleicht mehr, still an etwas zu glauben, als es für möglich zu erklären.

Gab es heute einen Menschen, den Sie neu gesehen haben?

Welche Ihrer Gewissheiten ist heute etwas weicher geworden?

Wo haben Sie heute etwas nicht kontrolliert – und waren froh darüber?

Ist das Leben deshalb so geheimnisvoll, weil es unendlich sein könnte?
Oder weil jeder Augenblick unwiederholbar ist?

Vielleicht beginnt Verantwortung dort, wo wir bemerken, dass unsere Aufmerksamkeit
einen Unterschied macht.

Wann haben Sie zuletzt jemanden ohne inneren Kommentar angesehen?

Welcher Teil Ihres Lebens wartet noch darauf, wahrgenommen zu werden?

Möchten wir Menschen oft verändern, weil wir ihre Möglichkeit noch nicht gesehen haben?

Wann haben Sie zuletzt Ihre Meinung geändert, weil Sie einem Menschen begegnet sind?

Wann ist der Mensch größer, als in dem Augenblick, in dem er einem anderen Größe gönnt?

Trägt ein Apfelbaum Äpfel für sich selbst?

Nicht alles muss gleichzeitig verstanden werden. Manches darf erst gelebt werden.

Wenn wir wissen, worin unsere Ansichten sich unterscheiden, können wir ja von etwas anderem reden.

Manche Werte kann man berechnen. Andere darf man schätzen.

Ist das Beste vom Schlechten schon das Gute?
Oder darf es auch mal nichts sein?
Nicht aus Resignation – sondern aus der Urteilskraft:
„Nein – das überzeugt mich nicht.“

Vieles war schon immer da, bevor es modern wurde. Und es bleibt auch.

Alt? Ja. Aber überholt? Von was denn?

Erhebend – nicht, um abzuheben, sondern:
Kopf hoch, um Boden und Himmel zugleich zu sehen.
Nicht, um höher zu stehen, sondern: aufrechter.
Nicht, um über der Welt zu schweben, sondern:
leichter in ihr zu sein.
Kopf hoch – nicht, weil alles gut ist,
sondern weil noch so viel kommt.

Zuversicht, die weiß, dass es Scherben gibt, und trotzdem sagt: „Beginnen wir – mit dem Mosaik“,
ist etwas anderes als Optimismus, der erwartet, dass es gut ausgeht.
Zuversicht beginnt – trotzdem. Sie vertraut, dass eine würdige, angemessene Antwort auf die Forderung der Situation
nie vergebens ist.

Mich interessiert die Vergangenheit nur noch insofern, als sie einen nächsten Anfang verständlicher macht.







Frieden

Wer seinen eigenen Platz gefunden hat, braucht um keinen anderen mehr streiten.

Wer nichts verteidigen muss, wird ansprechbar.

Ein Gespräch braucht keinen Gewinner.

Du kannst einen Menschen ernst nehmen, ohne ihm recht zu geben.

Nicht jede Verschiedenheit muss überwunden werden.

Manchmal ist Nähe: Ich lasse dich in Ruhe.

Manchmal ist Freiheit dort, wo man sich sicher genug fühlt, nichts zu müssen.

Vielleicht braucht das Herz nicht immer eine Antwort, sondern einen Ort.

Gönnen heißt vielleicht: Dein Leuchten macht meines nicht dunkler.

Ich muss dein Glück nicht verstehen, um mich darüber zu freuen.

Vielleicht ist der ehrlichste Frieden nicht Einigkeit, sondern:
Wir sehen es verschieden und bleiben trotzdem hier.

Vielleicht wird eine Gemeinschaft nicht daran erkennbar, wie harmonisch sie ist,
sondern daran, wie sie mit Disharmonie umgeht.

Gönnen heißt vielleicht: Ich muss dein Glück nicht besitzen, um mich daran zu freuen.

Vielleicht beginnt Großzügigkeit dort, wo der Vergleich langweilig wird.

Was wäre, wenn der Erfolg des anderen einfach eine gute Nachricht wäre?

Wir können uns widersprechen und trotzdem zusammen Tee trinken.

Ich verstehe dich noch nicht ganz. Erzähl weiter. Vielleicht hast du recht.

Wir müssen nicht jeden Teil von uns mögen, um miteinander freundlich zu sein.

Deine Andersartigkeit nimmt mir nichts weg.

Vielleicht brauchen wir keine Einigkeit. Nur guten Willen.

Du machst deins. Ich mache meins. Und zwischendurch schauen wir.

Du darfst mir auch widersprechen. Ich muss dich nicht verstehen, um dich gernzuhaben.

Vielleicht ist Gemeinsamkeit nicht, dass wir dasselbe sehen. Vielleicht ist sie, dass wir gemeinsam  hinschauen.

Wir müssen nicht gleich sein, um gleich viel zu gelten.

Vielleicht beginnt Frieden nicht dort, wo alle einer Meinung sind, sondern dort,
wo Verschiedenheit nicht mehr als Bedrohung erlebt wird.

Vielleicht beginnt Freiheit dort, wo wir nichts mehr darstellen müssen.

Vielleicht beginnt Frieden dort, wo niemand gewinnen muss.

Vielleicht ist Würde das, was bleibt, wenn niemand bewertet.

Vielleicht beginnt Güte dort, wo wir aufhören, Menschen nach ihrem Nutzen zu betrachten.

Nicht jeder hat das gleiche verdient. Aber vielleicht sind alle das Gleiche wert.




Unterstützung

Niemand muss hier jemanden entwickeln. Es reicht völlig, wenn wir einander begegnen.

Innere Stärke fällt nicht auf. Sie unterstützt und schützt.

Raum geben, tragen, aufmerksam sein – und rechtzeitig die eigene Hand zurücknehmen.

Gärtner, du musst die Blüte nicht beaufsichtigen.

Wer einen Menschen aufrichtet, muss nicht groß sein.

Es gibt Menschen, die noch nie erfuhren, wie bedeutend sie sind.

Was würde dir helfen?

Manchmal ist Nähe: Ich lasse dich in Ruhe und bleibe trotzdem erreichbar.

Vielleicht fühlt sich unser Inneres nur angesprochen, wenn Vertrauen mit ihm spricht.

Verantwortung wird leicht, wenn sie wieder die eigene ist.

Manchmal genügt ein Blick, damit ein Mensch an sein Herz erinnert wird.

„Aber es ist doch passiert!“ „Nein. Lass es endlich p a s s i e r e n !“

So du jemandem tröstend den Arm umlegst, achte außer, ob es ihm etwas bedeutet,
auch darauf, wann seine Flügel sich entfalten möchten.

Manche Menschen fühlten sich nicht gesehen, obwohl sie gelobt wurden.

Wenn sich die Essenz eines Menschen vielleicht gar nicht bearbeiten lässt –
was könnten wir dann tun, damit sie sich entfalten kann?

Es gibt eine erfrischende Art zu helfen, die kommt, um sich gemeinsam darüber zu wundern,
was möglich ist.

Vielleicht wird es für manche Menschen leichter, wenn wir heute einmal
nicht besonders lieb zu ihnen sind.

Manchmal braucht der Helfer einen Bedürftigen. Das kennen viele Bedürftige schon –
und helfen dann gerne.

Was braucht ein Mensch, damit er sich frei bewegen kann?
Vielleicht jemanden, dessen Antworten er nicht ständig berechnen muss.
Verlässlichkeit – manchmal eine der Voraussetzung von Freiheit.

Liebe beschreitet den Werdegang. Sie sieht, was werden kann.

Echte Liebe ist nicht normal.

Und ein sanfter aber wacher Blick sagte mir: „Sieh dich selber auch so.“

Weißt du, wie es ist, zum ersten Mal nicht mehr so gesehen zu werden?

Vielleicht nicht immer: „Wie sind Menschen?“ Sondern auch:
„Was habe ich an ihnen noch nicht gesehen?“

Jeder Mensch ist mehr, als das, was jetzt sichtbar ist.
Wie kann er und wir damit in Verbindung kommen?

Vielleicht nicht: „Ich belehre und verändere dich.“,
sondern: „Ich helfe dir, wieder in Verbindung zu kommen.“

Manchmal darf man vor dem Motivieren helfen, dass im Anderen die Gewissheit wackelt,
ein Versager zu sein.

Oft beginnt etwas, aus dem man sich vertrauensvoll zurückziehen darf.

Vielleicht müssen Therapeuten Menschen gar nicht erreichen – wenn sie einen Raum halten können,
in dem Menschen sich selbst erreichen können.

Vielleicht ist der Mensch, der Sie heute am meisten braucht, gar nicht der Lauteste.

Mann kann einen Menschen auch kaputthelfen.

Manche Menschen können etwas besonders gut. Andere können besonders gut Mensch sein.

Motivation kann sein: „Was ist, wenn’s gelingt?“ Was aber, wenn nichts mehr gelingen muss,
sondern Begegnung reicht?

Du darfst jemandem etwas zutrauen, auch wenn es länger dauert.

Wer immer hilft, sollte vielleicht gelegentlich prüfen, ob überhaupt jemand Hilfe wollte.

Man kann einem Menschen so viel Gutes tun, dass er sein eigenes Leben nicht mehr findet.

Vielleicht braucht das, was werden will, noch weniger Anleitung und mehr Raum.

Braucht alles, was sich noch nicht zeigt, Hilfe?

Muss man jemanden verstehen, um ihm nahe zu sein?

Zuhören – vielleicht eine der angenehmsten Formen von Geben.

Wann ist ein Mensch fertiggebaut?

Man kann einen Menschen so sehr fördern, dass er irgendwann nicht mehr weiß, was er selbst wollte.

Nicht jede Hilfe hilft. Schau nicht nur, was jemand macht (vielleicht Fehler).
Schau, was es mit ihm macht (vielleicht Freude).
Auch Wegsehen kann eine Form von Aufmerksamkeit sein.

Nicht anfassen. Werden lassen.

Du kannst jemanden begleiten, ohne zu wissen, wohin.

Manchmal ist Vertrauen: Ich lasse dich deinen eigenen Fehler machen.

Vielleicht braucht jemand gerade weniger von dir und mehr von sich selbst.

Es ist erstaunlich, wie viel ein Mensch werden kann, wenn man ihn nicht dauernd verbessert.

Es ist keine Schwäche, sich tragen zu lassen.

Manchmal wird ein Mensch freundlicher, sobald niemand mehr etwas von ihm erwartet.

Manche Menschen fühlen sich erleichtert, wenn man ihnen nichts abnehmen will.

Wer immer hilft, sollte gelegentlich prüfen, ob er gerade wirklich hilft.

Man kann jemanden tragen und ihm trotzdem das Gehen überlassen.

Die schönste Unterstützung ist manchmal kaum zu bemerken.

Auf den, der leuchtet, brauchst du nicht deinen Scheinwerfer zu halten.

Man kann einen Menschen fördern, bis er keine Lust mehr hat, zu werden.

Manche Menschen brauchen auch mal jemanden, der sie in Ruhe lässt.

Ein Mensch ist kein Förderantrag.

Du musst deinen Rucksack nicht auspacken. Du darfst ihn auch einfach abstellen. Für heute reicht das.

Manches wird leichter, wenn jemand daneben sitzt.

Du bist viel mehr von dem, was ich dir geben wollte.

Ich wollte dich retten. Und deine Offenheit hat etwas in mir geheilt.

Ich wollte dich verändern. Aber deine Bereitschaft hat etwas in mir verschoben.

Ich wollte dir etwas zutrauen. Du hast es mir zugetraut.

Ich wollte dir zeigen, dass du stark bist. Du hast mir gezeigt, dass Stärke nicht alles ist.

Ich wollte dir Halt geben. Du hast dich einfach an mich gelehnt.
Und plötzlich musste ich nichts mehr  können.

Ich wollte dir Mut machen. Deine Verletzlichkeit hat mich menschlicher gemacht.

Ich wollte dir einen Platz geben. Du hast mir meinen gezeigt.

Ich dachte, du brauchst mich. Dann hast du mich angeschaut.

Ich kam mit Ideen. Du kamst mit deinem ganzen Menschsein.

Ich gab dir meine Zeit. Du gabst ihr Bedeutung.

Ich wollte dich aufrichten. Du hast mir einen Platz angeboten.

Ich wollte das Instrument stimmen. Du hast angefangen zu singen.

Ich wollte dich aus deinem Dunkel holen. Du hast mich darin nicht stecken gelassen.

Hilf jemandem, ohne ihn zu deinem Werk zu machen.

Gib jemandem etwas, ohne ihm dafür einen Platz in deinem Weltbild zuzuweisen.

Um jemanden zu retten, müssen wir vielleicht zuerst aufhören, ihn für verloren zu halten.

Ich wollte, dass alles schön und richtig wird. Dann hat jemand gelacht. Das war mehr.

Ich wollte dir mehr Sicherheit geben. Und du hast mir so viel Vertrauen gegeben.

Schön, dass du nicht zu meiner Vorstellung gepasst hast.

Nimm es. Du musst mich dafür nicht brauchen.

Vielleicht ist Hilfe dann gut, wenn der andere danach freier ist, als vorher.

Das Schönste, was man jemandem geben kann, ist vielleicht die Freiheit, uns nicht mehr zu brauchen.

Schön war, der Träger zu sein. Noch schöner, zu bemerken, dass wir beide gehen können.

Gut, dass du mir nicht vertraut hast. Danke.

Du solltest alles bekommen, was mir gefehlt hat. Nur - du bist ja gar nicht ich.

Ich wollte dich vor dem Fallen bewahren. Und nun – wisse bitte, dass jemand da ist, wenn du fällst.

Ich wollte ja nur, dass du glücklich bist. Vielleicht musst du auch mal traurig sein.

Ich wollte etwas in dir zum Blühen bringen. Verzeih mir. Du warst schon eine Blüte.

Ich wollte dir nahe sein. Dafür musste ich aufhören, dich festhalten zu wollen.

Ich wollte dir etwas bedeuten. Heute ist mir wichtiger, dass es dir gut geht.

Egal, wohin du willst: Gute Reise! Geh deinen Weg. Ich freue mich, wenn wir uns darauf begegnen.

Lass etwas Schönes entstehen, ohne deinen Namen darauf zu schreiben.

Ich wollte dich retten. Dann hast du dich mir gezeigt. Jetzt möchte ich nur noch, dass du frei bleibst.

Jemanden vor etwas zu bewahren, setzt eine endlose Reaktionskette in Bewegung.

Vielleicht beschützt dich mein Zutrauen.

Vielleicht wirst du besser doch nicht, was ich mir für dich wünsche – sondern das, was du werden kannst.

Vielleicht brauchst du keinen geraden Weg. Vielleicht brauchst du Menschen, mit denen du ihn gehen kannst.

Vielleicht braucht es Veränderung. Vielleicht braucht es erst einmal Ruhe.

Vielleicht braucht es einen neuen Weg. Vielleicht braucht es jemanden, der den alten noch ein Stück mitgeht.

Vielleicht braucht es manchmal jemanden, mit dem Schweigen nicht unangenehm wird.

Vielleicht brauchst du nicht mehr Kraft. Vielleicht brauchst du einen Ort, an dem du sie nicht brauchst.

Die schönste Ermöglichung ist vielleicht die, die irgendwann ohne einen Ermöglicher auskommt.

Deine Offenheit war größer als mein Rat.

Vielleicht ist Liebe: Ich freue mich über das, was aus dir wird, auch wenn ich darin nicht vorkomme.

Wenn du helfen möchtest, lass den anderen mitentscheiden, wobei.

Hilf mir so, dass ich mich danach nicht kleiner fühle.

Ich wollte dich schonen. Du wolltest leben.




Werkbank, Schüler, Meister

Es wäre schade, wenn wir einander nur in unseren Fähigkeiten begegnen würden.
Vielleicht lernen wir uns gerade dann kennen, wenn sie keine Rolle spielen.

Nicht alles, was wachsen möchte, braucht Anstrengung. Manches braucht Erlaubnis.

Keine Sorgen machen, dass etwas nicht gelingt. Lieber den stillen Wunsch hegen,
nichts im Voraus zu verhindern, was gelingen möchte.

Wie frei kann ein Mensch in unserer Gegenwart sein, wahrhaftig zu sagen, was er braucht – und was nicht?

Wieviel Mensch wächst unter Druck – wieviel unter Vertrauen?

Welche Ihrer Fähigkeiten dient anderen? Welche dient Ihrem Bild von sich selbst?

"Ent-wicklung" meint Hinzufügen oder Fallenlassen?

Kaum einer kommt fertig in eine Werkstatt.

Keine Wahrheit ohne Hobelspäne.

Wer zuerst fertig ist, kann den anderen beim Werden zusehen.

Manche Menschen machen etwas Schönes. Lass sie.

Danke, es geht schon. Aber, komm doch dazu.

Holz möchte nicht gegen seinen Wuchs bearbeitet werden.
Muss das bei Menschen wirklich anders sein?

Vielleicht ist das Leben wie eine Werkbank, an der Fehler erlaubt sind,
solange sie aufmerksam gemacht werden.

Musik beginnt in der Stille davor.

Ist auf deiner Werkbank noch Platz für eine Tasse Tee?

Ist Führen immer, voranzugehen? Oder auch, so aufmerksam innezuhalten,
dass andere ihren Platz finden.

Eine Art von Größe besteht darin, Einfluss auszuüben. Ein andere, einen Raum entstehen zu lassen,
in dem Menschen zu ihrem Eigenen finden.

Ein guter Meister weiß, was möglich ist – und was angemessen ist.

Ein Meister ahnt das Aufkeimen einer eigenen Stimme – und schweigt.

Ein Meister erkennt im anderen, bevor er einmal dessen Mangel anschaut, siebenmal dessen Möglichkeiten.

Kann der Meister sein, der nicht weiß, wie der andere werden soll oder kann -
aber trotzdem an ihn glaubt?

Ein Meister muss nicht über Werk und Mensch stehen. Er darf beiden dienen.

Ein wahres Meisterwerk ist nicht, was Bewunderung sucht, sondern den Blick freigibt.
Es ist dann kein Endpunkt, sondern eine Schwelle, die einlädt, hindurchzugehen, weiter zu sehen.

Menschen können vielleicht nicht gemacht werden, aber ermöglicht.
Das ist kein Satz über Fertigwerden. Er meint Beginnen.

Fragt „Ent-wicklung“ etwa: Was wird aus dem, was schon angelegt ist?

Eine Essenz – wird hinzugefügt, oder freigestellt?

Vielleicht ist weise, wer weniger zwischen Wirklichkeit und Antwort stellt.

Entfernt der Anspruch, etwas besonders gut zu machen, von dem, was eigentlich getragen werden wollte?

Wie viele Erkenntnisse gehören einem Menschen allein? Wie viele sind zwischen Menschen entstanden?

Wann wird aus Helfen Formen, Eingreifen, Herrschaft?

Der Meister fragt nicht: „Was kann ich aus dem machen?“ Sondern: „Was ist schon da?“
Und erst danach: „Was verlangt die Situation von meiner Hand?“

Nicht jedes Holz braucht dieselbe Bearbeitung. Nicht jeder Mensch braucht dieselbe Antwort.

Nicht jede Situation verlangt Aktivität. Manchmal verlangt sie ein Werkzeug. Manchmal eine Pause.
Manchmal ein „Ja“. Manchmal ein Fenster, das geöffnet wird, damit ein Käfer hinausfliegen kann.
Manchmal nur: „Ich weiß nicht. Ich brauche jetzt einfach mal Ruhe.“

Der Meister arbeitet nicht nur am Werk. Das Werk arbeitet oft auch am Meister.
Der Wuchs des Holzes korrigiert dann die Hand. Der Ton korrigiert die Musik.
Der Mensch korrigiert die Vorstellung vom Menschen.

Ein gutes Werkzeug schadet in falschen Händen.

Manche Dinge brauchen Präzision. Menschen meistens etwas anderes.

Wer immer nur rechnet, unterschätzt vielleicht das Leben.

Manchmal ist die beste Reparatur, endlich aufzuhören, daran herumzureparieren.

Man kann etwas so lange schleifen, bis nichts Eigenes mehr übrig ist.

Nicht jeder Riss ist ein Grund zum Wegwerfen.

Ein guter Meister weiß, wann das Werk fertig ist.

Erzeugen wahre Meister Nachahmer oder Wahrnehmung?

Manchmal muss etwas auseinanderfallen, damit man sieht, was es zusammengehalten hat.

Man kann einem Stück Holz nicht erklären, was es sein soll.
Die Maserung hat ihre eigene Meinung.

Zu guterletzt zeigt sich Meisterschaft vielleicht darin, wie frei ein Mensch – egal, wie viel er geschaffen  hat –
alles wieder aus der Hand legen kann. Es darf bleiben. Oder vergehen.
Denn das Wesentliche war nie das Werk. Sondern das Leben, das sich darin mitteilen konnte.

Wenn das Material nein sagt, ist vielleicht nicht das Material das Problem.

Man kann einen Fehler wegschleifen. Manchmal wird dadurch nur ein anderer sichtbar.

Meisterschaft heißt nicht automatisch, keine Fehler zu machen. Vielleicht eher,
mit ihnen arbeiten zu können.

Manchmal ist weniger Eingreifen mehr Vertrauen.

Ein Meister weiß auch, wann er die Hand zurücknimmt.

Manches wird nicht besser, wenn man noch einmal darübergeht.
Wer immer nachbessert, kann auch etwas wegmachen.

Nicht jede Unebenheit braucht einen Schleifer.

Manchmal muss man länger schauen, bevor (ob) man etwas verändert.

Das Material weiß manchmal mehr als der Plan.

Wer etwas wirklich kann, darf es leicht aussehen lassen.

Der Meister weiß, wann er arbeiten muss. Und wann er aufhören darf.

Das Material darf widersprechen.

Meisterschaft bedeutet vielleicht auch, etwas in Ruhe zu lassen.

Das Werkstück zeigt dem Meister, was er noch nicht weiß.

Jede Hand lernt irgendwann, wann sie loslassen muss.

Ein Meisterstück ist nicht immer das Stück, das am meisten Arbeit gekostet hat.

Ein Mensch ist kein Projekt.

Man kann einen Menschen so lange verbessern, bis man ihn nicht mehr erkennt.

Du darfst jemandem etwas zutrauen, ohne zu wissen, wie es ausgeht.

Meister, darf der Schüler darf dich überraschen? Überzeugen? Überholen?

Ein guter Meister macht sich irgendwann überflüssig.

Die beste Anleitung lässt irgendwann niemanden mehr nach ihr fragen.

Wenn es knirscht – ist das Holz schuld?

Wer den Hammer hat, sieht überall Nägel.

Der Hammer löst viele Probleme. Leider auch solche, die vorher keine waren.

Manchmal ist das Werkstück fertig. Der Meister nur noch nicht.

Es ist schön, etwas gut zu können. Noch schöner ist, wenn jemand anderes dadurch auch etwas kann.

Was verliert ein Meister, wenn der Schüler ihn überholt? Die Einbildung.

Man kann führen, ohne vorne zu stehen.

Macht zeigt sich manchmal darin, dass jemand darauf verzichtet, sie zu benutzen.

Es kann schöner sein, etwas entstehen zu lassen, als es selbst gemacht zu haben.

Ein Mensch wird nicht größer, wenn andere kleiner werden.

Wer wirklich sicher ist, muss nicht mehr kämpfen, mal Recht zu haben.

Die beste Autorität ist vielleicht, wenn andere freiwillig näher kommen.

Ein guter Lehrer lässt den Schüler irgendwann widersprechen – und denkt dann: „Endlich.“

Wer nur Gehorsam erntete, hatte vielleicht noch keine Menschen vor sich.

Manche Menschen brauchen Führung. Andere brauchen jemanden, der ihnen zutraut, keine zu brauchen.

Nicht jeder, der weiß, wo es langgeht, sollte vorne gehen.

Nicht alles, was du kannst, musst du können.

Du musst nicht wissen, was aus einem Menschen wird, um ihm etwas zuzutrauen.

Das Material widerspricht nicht. Es antwortet.

Wer sich nicht zwingen lässt, ist nicht automatisch widerspenstig.

Vielleicht ist Handwerksmeister jemand, der gelernt hat, mit dem Eigenwillen der Dinge zusammenzuarbeiten.

Jeder Mensch hat eine Stelle, an der der Plan nicht aufgeht. Zum Glück.

Wer alles abrundet, verliert irgendwann die Kontur. Manche Ecken gehören zur Form.

Du darfst eine Kante haben. Und der andere auch.

Auch Unfertiges kann bereits wahr sein.

Was Zeit braucht, ist nicht automatisch langsam.

Eine Eiche ist kein misslungener Bambus.

Kinder brauchen Vorbilder. Aber keine perfekten.

Ein Kind darf sehen, dass ein Erwachsener etwas nicht kann.

Vielleicht ist es gut, wenn Kinder erleben, dass Erwachsene auch noch suchen.

Ist ein Blatt erfolgreich, weil es einem anderen ähnlich sieht?

Vielleicht ist ein Kunstwerk gelungen, wenn es dem Betrachter etwas Eigenes zurückgibt.

Das hätte ich nicht so gemacht. Gut, dass du es getan hast.

Du musst mir nicht zeigen, was du kannst. Ich schaue dir auch so einfach gerne zu.

Vielleicht beginnt Kreativität dort, wo jemand etwas tut, das noch niemand von ihm erwartet hat.

Lass sie einmal falsch anfangen. Vielleicht wird etwas Neues daraus, das nur so beginnen kann.

Ein Anfang sieht selten aus wie das, was daraus werden kann.

Kinder wissen oft noch nicht, dass man das nicht so macht. Vielleicht wussten wir es zu früh.

Schau mir gerne zu. Aber es soll nicht verhindern, dass du deinen eigenen Weg findest.

Nahe genug, um da zu sein – weit genug, um nicht im Weg zu stehen.

Du musst mir nicht beweisen, dass es richtig war, dir zu vertrauen.
Wenn es anders kommt, als erwartet, freut mich das vielleicht noch mehr.

Verbessern, oder Raum schaffen, damit es sich anders entfalten kann?

Ich sah zuerst, was du nicht kannst. Dann sah ich, was du kannst. Dann war beides nicht mehr so wichtig.

Bedürftigkeit macht nicht kleiner. Helfen macht nicht größer.

Vielleicht kannst du mehr. Vielleicht musst du gar nicht mehr können.

Eine gute Lösung muss nicht glänzen. Sie muss halten.

Oft zeigt der Anfänger etwas, das der Meister noch nicht gesehen hat.
So wie er alles irgendwann zum ersten Mal gesehen hat.

Brauchst du Hilfe – oder soll ich einfach dableiben?

Komm, ich mach das mit dir. Wenn du willst, machen wir es zusammen. Wenn nicht, mach du.

Vielleicht wächst Vertrauen dort, wo wir uns gegenseitig Zeit lassen.

Wer sich nicht ständig beweisen muss, beginnt oft zu staunen.

Es gibt Augenblicke, in denen niemand führt – und dennoch findet alles seinen Platz.

Vielleicht fragt das Leben am Ende nicht: "Was hast du erreicht?" Sondern:
"Wem hast du ermöglicht, mehr er selbst zu werden?"

Vielleicht ist Aufmerksamkeit die größte Begabung.

Fragt „Ent-wicklung“ vielleicht: „Was wird aus dem, was schon angelegt ist?“ ?

Gönnst du jedem sein Werden, seine eigene Weise des Menschseins?
Jedem – dir auch?




Es darf

Wer gerne mitmacht, ist willkommen. Wer lieber beobachtet, auch.
Wer heute noch gar nicht weiß, was er möchte, ebenfalls.
Und wer es bis zum Ende der Woche immer noch nicht weiß,
ist wenigstens geblieben.
Danke.

Komm herein. Du wirst nicht verglichen.

Schön, dass du dabei bist.

(Vor dem Proberaum) Hier darf etwas unfertig sein.

(In der Werkstatt) Auch ein Hammer darf freundlich sein.

Du musst heute niemandem beweisen, dass du ein guter Mensch bist.

Manches muss einfach sein dürfen.

Was du kannst, ist schön. Was du nicht kannst, vielleicht auch.

Du darfst anders sein, als wir dich erwartet haben.

Du darfst gehen. Du darfst bleiben. Du darfst deine Meinung ändern.

Du darfst etwas lieben, das andere nicht verstehen.

Du darfst etwas nicht mögen, das alle anderen mögen.

Du darfst besonders sein. Aber du musst nicht.

Du darfst da sein, bevor du etwas kannst.

Du darfst kommen, ohne etwas mitzubringen.

Auch wer nichts beiträgt, kann etwas geben.

Du darfst unterwegs sein, ohne schon angekommen zu sein.

Auch das Unfertige kann schon ganz sein.

Du musst nicht grinsen. Manchmal ist das Festhalten an einer alten Wunde die letzte Verbindung zu etwas,
das einmal wichtig war. Wir wissen das.

Nicht jeder, der dich verlassen hat, hat dich verlassen wollen. Manche Menschen hätten bleiben können.
Sie konnten nur nicht.

Manchmal war etwas einfach nur schrecklich. Und manchmal darf das genügen.

Das Werden ist kein Fehler im fertigen Leben.

Nicht alles, was man verbessern kann, muss verbessert werden.
Manchmal hilft es, nichts zu tun – und trotzdem da zu sein.

Es muss nicht immer etwas daraus werden.

Du musst nicht alles tragen. Nicht jede Last gehört dir.

Du darfst noch keine Antwort haben.

Ein stiller Augenblick kann weiter reichen, als ein großer Plan.

Es gibt Schlimmeres, als nicht fertig zu werden.

Das Leben ist kurz. Iss den guten Käse.

Du darfst scheitern, ohne daraus sofort stärker werden zu müssen.

Nicht jedes Scheitern war eine wichtige Lektion. Manchmal war es einfach daneben.

Du darfst etwas interessant finden, ohne es wichtig zu finden.

Vielleicht ist Gleichgültigkeit manchmal nur Urlaub vom Bewerten.

Was wäre, wenn du heute einmal nichts aus dir herausholen musst?

Vielleicht musst du nicht wissen, was es bedeutet. Es darf dir etwas bedeuten.

Vielleicht war es kein Zeichen. Vielleicht war es einfach schön.

Was wäre, wenn der Moment nichts von dir braucht?

Komm nicht mit einer Absicht. Komm mit offenen Händen.

Mach Platz. Aber nimm deinen trotzdem ein.

Du darfst enttäuschen, was dich nie wirklich gemeint hat.

Du darfst Nein sagen, ohne eine bessere Alternative zu haben.

Auch ein freier Mensch darf sich entscheiden, zu bleiben.

Du darfst traurig sein, ohne den Abend traurig zu machen.

Du darfst glücklich sein, ohne es zu erklären.

Es darf dir gut gehen. Auch wenn es anderen gerade nicht gut geht.

Du darfst den Tag jetzt loslassen.

Du darfst eine Pause brauchen.

Du darfst lachen, obwohl vielleicht gerade noch etwas Schweres in dir ist.

Mach eine Pause, bevor du sie brauchst.

Hol dir Hilfe, bevor du dich ärgerst.

Du darfst gehen, bevor es zu viel wird.
Du darfst bleiben, obwohl du eigentlich gehen wolltest.

Vielleicht kannst du mehr, als du denkst. Und vielleicht musst du es gar nicht herausfinden.

Es muss nicht das Beste werden. Es darf das Unsere werden.

Du darfst heute anders sein als gestern.

Du darfst dich anstrengen. Du musst nur nicht darunter leiden.

Du darfst stark sein und Hilfe brauchen.
Du darfst frei sein und dich binden.
Du darfst wissen und trotzdem staunen.
Du darfst glauben und trotzdem fragen.

Wenn du heute niemandem etwas geben kannst, gib dir selbst ein wenig Ruhe.

Vielleicht ist Mitgefühl: eine Decke holen.

Vielleicht ist Dankbarkeit: merken, dass es gerade gut ist.

Vielleicht warst du dein ganzes Leben damit beschäftigt, jemand zu werden, den niemand verlangt hat.
Du darfst damit aufhören.

Vielleicht hat dich niemand aufgefordert, so hart zu dir zu sein. Vielleicht hast du es nur gelernt.
Du darfst es wieder vergessen.

Vielleicht musst du nicht endlich herausfinden, wer du bist.
Vielleicht darfst du einfach aufhören, jemand  anderes zu sein.

Vielleicht ist Vertrauen: schlafen gehen und morgen weitermachen.

Vielleicht ist Spiritualität: freundlich sein, wenn niemand zusieht.

Du darfst gehen, wenn du gehen möchtest. Und du darfst wiederkommen. Die Tür ist nicht beleidigt.

Du darfst etwas können, das niemand erwartet hat.

Man kann müde sein und geliebt werden.

Du musst nicht richtig fühlen. Du musst nicht richtig trauern. Du musst nicht richtig glücklich sein.
Du musst nicht richtig still sein. Du musst nicht richtig kreativ sein. Du darfst einfach ehrlich sein.
Und wenn das heute auch nicht geht: auch gut.

Manche Geschenke werden kleiner, wenn man sie abrechnet. Nimm es einfach.

Stärke kann auch sein, jemanden zu brauchen.

Du darfst sagen: Ich weiß nicht weiter. Das ist kein Zusammenbruch. Das ist eine Information.
Jetzt können wir schauen, was gebraucht wird.

Du musst dich vor mir nicht zusammennehmen.
Du darfst müde sein. Du darfst leise sein. Du darfst dich  freuen. Du darfst heute nichts können.
Ich bleibe.
Wir müssen daraus nichts machen. Es ist schon etwas.

Deine Stärke muss nicht immer dienst haben. Sie kann ja wiederkommen.

Du darfst wiederkommen, ohne wieder dieselbe zu sein.

Wenn du etwas gut kannst, darfst du Freude daran haben.

Du darfst lachen, obwohl gerade nicht alles gut ist.

Du darfst jemanden vermissen. Du darfst dich freuen, wenn jemand wiederkommt.

Ein Essen darf schmecken.

Du darfst heute einmal nicht wachsen. Du darfst einfach einen schönen Tag haben.

Wir dürfen unfertig sein. Wir sollten es nur nicht verstecken müssen.

Du kannst es heute vielleicht noch nicht. Dann lass uns sehen, was stattdessen geht.
Dann musst du es nicht können. Aber wenn du möchtest, probieren wir es gemeinsam.

Bleib aufmerksam, wenn du dich selbst dabei beobachtest, wie du gerade klein wirst.
Merkst du, wenn du aus Angst hart wirst? Merkst du, wenn du aus Unsicherheit urteilst?
Merkst du, wenn du helfen willst, obwohl niemand darum gebeten hat?
Merkst du, wenn du lieber recht behalten möchtest als verbunden  zu bleiben?
Merkst du, wenn du dich zurückziehst, obwohl du eigentlich Nähe möchtest?
Du musst es  nicht sofort anders machen. Aber Du darfst es bemerken.
Du wirst wieder kleinlich sein. Du wirst wieder ungerecht sein.
Du wirst wieder Angst haben. Du wirst  wieder jemanden falsch verstehen.
Du wirst wieder zu viel reden. Du wirst wieder zu wenig zuhören.
Du  wirst wieder versuchen, jemanden zu retten, der gerade gar nicht gerettet werden möchte.
Willkommen,  Mensch – unter Menschen.

Du darfst Abstand brauchen, ohne weniger zu lieben.

Du darfst jemanden schön finden. Du darfst dich verlieben.
Du darfst dich irren, wen du liebst. Du darfst dich wieder freuen.

Du darfst dein Leben ändern. Du darfst dein Leben mögen.

Du darfst noch einmal anfangen, auch wenn du gestern schon angefangen hast.

Du darfst etwas beenden, obwohl es einmal schön war.

Du darfst diese Stiftung langweilig finden. Du musst unsere Gedanken nicht mögen.
Du musst dich hier nicht entfalten. Du darfst widersprechen. Du darfst gehen und sagen:
„War nichts für mich.“ Du darfst sagen: „Ich möchte das nicht verstehen.“

Du darfst dich zeigen, ohne dich auszustellen. Es darf handgemacht aussehen.

Du hast das Recht auf Unberührtheit. Du darfst auch hier sein, ohne dass etwas mit dir geschieht.

Du darfst etwas empfangen, ohne dich kleiner zu fühlen.

Du darfst warten, ohne aufzugeben.

Vielleicht war heute nichts Besonderes. Vielleicht war heute Leben.

Komm ruhig so, wie es heute geht. Hier ist noch Platz.

Das hat nicht funktioniert. Dann machen wir es anders. Wer hat noch Lust?

Das kann so bleiben. Für heute.

Das war so gar nicht vorgesehen. Das soll bleiben.

Das müssen wir noch nicht wissen. Wir können trotzdem anfangen.

Niemand weiß gerade, wie es geht. Einer fängt einfach an.

Genug Fragen. Wir sind ja gerade erst da.

Das ist noch nicht schön. Aber es ist schon unseres.

Du kennst hier noch niemanden? Das wird sich ändern.

Du musst niemanden kennen, um dich dazuzusetzen.

Wenn du nicht weißt, wohin: Hier ist ein Stuhl.

Das ist jetzt anders. Dann schauen wir eben neu.

Das war unser Fehler. Jetzt wissen wir mehr.

Das hat nicht gereicht. Wir müssen es nicht schönreden.

Das ist kaputtgegangen. Schade. Und was machen wir jetzt?

Das sollte anders klingen. Nehmen wir etwas heraus.

Niemand wollte das. Jetzt ist es trotzdem da.

Das war peinlich. Wir können trotzdem weitermachen.

Das kann niemand hier? Dann lernen wir es eben gemeinsam.

Du kannst das nicht? Das ist doch kein Grund, es nicht zu auszuprobieren.

Du darfst am Rand sitzen. Auch dort ist Raum.

Wir hätten dafür keinen Platz vorgesehen. Jetzt haben wir einen.

Das war nur ein Fehler. Und nicht dein Name.

Du darfst morgen anders darüber denken.

Ruh dich aus. Jetzt sind wir dran. Es darf auch einfach mal reichen.

Vielleicht ist heute nicht der Tag, an dem etwas leichter wird. Vielleicht ist es der Tag,
an dem du es  nicht mehr allein tragen musst.

Wer heute nicht lachen kann, gehört genauso hierher.

Vielleicht wartet heute etwas Kleines auf dich.

Vielleicht ist heute ein guter Tag, langsamer zu sein.

Manches Gute braucht keine Überschrift.

Was darf heute ungeklärt bleiben?

Es gibt Tage, an denen das Leben leise fragt: "Bleibst du?"

Wer jetzt gerade still ist, trägt vielleicht später mehr bei.

Manche Fragen brauchen erst einen Spaziergang.

Wer langsam geht, sieht mehr.

Ein Baum wächst jeden Tag – auch wenn niemand zusieht.

Nichtstun ist manchmal nur Tun ohne Publikum.

Nicht alles, was langsam ist, kommt zu spät.




Es muss nicht

Nicht alles muss heute entschieden werden.

Nicht jeder Gedanke muss festgehalten werden.

Nicht alles muss erklärt werden, damit es verstanden wird.

(Am Spiegel) Hier muss niemand interessant sein.

Ja, du könntest Recht haben. Aber es könnte auch tausend andere Gründe geben.

Beschleunigung der Gewohnheiten ist nicht immer Fortschritt.

Es ist nicht alles deine Schuld. Es ist aber auch nicht alles die Schuld der anderen.

Wer sich wohlfühlt, muss nicht wissen, warum.

Vielleicht ist das, was du suchst, nicht weit weg. Vielleicht ist es nur leise.

Vielleicht musst du nicht herausfinden, wer du bist. Vielleicht darfst du es erleben.

Nicht alles muss gestaltet werden, damit es schön wird.

Was in dir werden will, muss sich nicht beeilen.

Du musst nicht werden, was andere schon in dir sehen.

Nicht alles, was möglich ist, muss geschehen.

Schönheit muss sich nicht rechtfertigen.

Du musst nicht schneller werden, nur weil andere schon weiter sind.

Nicht jeder der dir gerade voraus ist, geht in dein Richtung.

Nicht alles, was noch nicht sichtbar ist, fehlt.

Nicht jeder, der schweigt, hat nichts zu sagen.

Nicht alles, was man kann, muss man tun.

Wer müde ist, muss nicht auch noch an sich arbeiten.

Es muss nicht jeden Tag etwas aus dir werden.

Du musst hier nichts leisten. Wirklich. Wir meinen das ernst.

Was du heute noch nicht verstehst, muss nicht gegen dich sein.

Du musst nicht gewinnen, damit etwas gelingt.

Du musst nicht wissen, was aus dir wird, um heute da zu sein.

Du musst dich nicht erklären, um wirklich zu sein.

Was in dir leise ist, muss nicht schwach sein.

Wir müssen nicht wissen, was hier entsteht. Wir müssen nur aufpassen, dass wir es nicht verhindern.

Du musst nichts verstehen. Aber du darfst fragen.

Du musst hier nichts zurückgeben. Wenn du möchtest, kannst du es später jemand anderem weitergeben.

Du musst nicht gleich antworten. Du musst mich nicht überzeugen. Ich höre dir auch so zu.

Du musst hier nicht unverwundbar sein. Niemand ist das.

Du muss dich nicht preisgeben. Aber du darfst dich öffnen.

Wir müssen nicht immer gleich viel können.

Du musst nicht mit dem Universum im Einklang sein. Es reicht, wenn dein kleiner Zeh
nicht mehr mit dem Tischbein kollidiert.

Du musst niemandem beweisen, dass du noch kannst.

Nicht alles, was möglich ist, muss gemacht werden.

Du musst nicht an deiner eigenen Erfahrung zweifeln, nur weil du offen bleiben möchtest.

Du musst nicht herausfinden, was dieser Augenblick dir sagen möchte.
Vielleicht wollte er einfach schön für dich sein.

Du musst kein anderer Mensch werden. Vielleicht nur beim nächsten Mal etwas freier.

Vielleicht musst du nicht bereit sein. Vielleicht darfst du anfangen und unterwegs bereit werden.

Du musst nicht aus jedem Tag ein gutes Leben machen. Manchmal war es einfach ein Dienstag.

Mach es ruhig schön. Du musst dich dafür nicht entschuldigen.

Du musst mich nicht überzeugen. Sag mir einfach, was du gesehen hast.

Eine Ansichtendebatte muss nicht entscheiden, wer von uns der bessere Mensch ist.

Nicht alles muss geklärt werden, damit Frieden möglich wird. Manchmal genügt: „Es war schwer.“

Du musst nicht so tun, als wäre dir Anerkennung völlig egal.

Ein Geschenk ist kein Vertrag.

Nicht alles, was dich verletzt, war gegen dich gerichtet.

Du musst nicht loslassen, was du noch nicht loslassen kannst.

Du musst dich nicht entschuldigen, weil du Raum einnimmst.

Du musst aus Dankbarkeit nicht bleiben.

Vielleicht ist es nicht noch nicht fertig. Vielleicht ist es einfach so.

Vielleicht wartet das Unfertige gar nicht darauf, fertig zu werden.

Ein angefangener Weg ist nicht automatisch ein halber Weg.

Wenn du etwas kannst, zeig es. Wenn du etwas nicht kannst, macht vielleicht jemand mit.

Du musst es nicht alleine können. Du musst es aber auch nicht abgeben.

Das muss niemand erklären. Wir haben es gesehen.

Es ist noch nicht geworden, was es werden wollte. Schauen wir weiter.

Wir haben keinen Plan. Aber wir nehmen uns Zeit.

Das musst du nicht können. Sag einfach, wobei du mitmachen möchtest.

Du kannst das nicht? Vielleicht muss niemand das können.

Es muss nicht jedes Begegnen weitergehen. Der Raum bleibt offen.

Du musst es mir nicht erklären. Ich kann ja erst einmal zuhören.

Das ist gerade viel. Wir müssen es nicht größer machen.

Nicht alles, was schiefgehen könnte, muss verhindert werden.

Du musst nicht der Mensch bleiben, den wir mal kennengelernt haben. Du darfst uns überraschen.

Du musst nicht erklären, wo du warst.

Du musst uns kein Bild von dir machen. Leb einfach.

Du musst heute nichts darstellen.

Es muss heute nicht perfekt werden, um echt zu sein.

Ein neuer Weg muss nicht bedeuten, dass der alte falsch war.

Nicht alles muss entschieden werden. Manches darf reifen.

Du darfst deinen Teil beitragen, ohne für das Ganze verantwortlich zu sein.




Nicht, ... , sondern, ... .

(Am Spiegel) Nicht besonders – sondern aufmerksam.

Vieles wächst scheinbar nicht wegen uns. Auch nicht durch uns. Aber mit uns.

Etwas in mir wurde kleiner – aber nicht geringer – in etwas, das größer wurde.

Für kürzere Wege müssen manchmal alte Grenzen fallen.

Wer nicht als Abkürzung überrannt werden will, darf Grenzen setzen.

Nicht alles will beantwortet werden. Manches will angesehen werden.

Manchmal ist nicht die Frage ist entscheidend, sondern der Mensch, der sie stellt.

Nicht jede Antwort zeigt die Lösung. Manche zeigt den Fragenden.

(Im Proberaum) Es muss nicht besser werden – nur wahrhaftiger.

Nicht jede Pause ist Flucht. Du darfst dich zurückziehen, ohne jemanden zurückzuweisen.

Manchmal ist Schlaf die vernünftigste Form von Philosophie.

Vielleicht bist du gar nicht zu empfindlich. Vielleicht ist manches wirklich unnötig.

Vielleicht bist du nicht unfertig. Vielleicht bist du unterwegs.

Vielleicht ist Loslassen nicht, etwas aufzugeben. Vielleicht ist es, die Einkaufstasche endlich abzustellen.

Vielleicht ist es gar nicht deine Aufgabe, außergewöhnlich zu werden. Die Welt hat genug außergewöhnliche  Menschen.
Sie könnte ein paar verlässliche gebrauchen.

Vielleicht ist „Warum?“ nicht immer die wichtigste Frage. Manchmal ist „Was braucht es jetzt?“ die passende.

Gewohnheit ist nicht automatisch schlecht. Manches tut man wieder, weil es gut ist.

Nicht jede Tür muss geöffnet werden. Manche darf einfach offen bleiben.

Nicht jede Gabe besteht darin, etwas zu können. Eine besteht darin, anderen etwas zu ermöglichen.

Nicht alles Wichtige ist laut. Und umgekehrt.

Nicht jede Unsicherheit möchte beseitigt werden. Manche möchte begleitet werden.




Humor und Kippmomente

Bitte keine endgültigen Entscheidungen nach 22 Uhr.

Man kann auch einfach einmal einen schönen Abend haben.

Du bist nicht hier, um dich zu entfalten. Du bist hier, weil gegrillt wird.

Das hier ist kein besonderer Ort. Bitte machen Sie ihn nicht dazu.

Ein Stück Pfirsisch fiel auf den Boden. Eine Schnecke fand es zuerst.

Du musst heute nichts Großes entfalten. Ein Brötchen reicht.

Wer den Sinn findet, darf ihn behalten. Wir haben genug davon.

Heute schon etwas vollkommen Unnötiges gemacht? Sehr gut.

Wer gerade nichts versteht, ist vermutlich näher dran als gedacht.

Wenn alles schiefgeht: Es gibt noch Suppe.

Erfahrung macht nicht automatisch klug. Man muss sie auch bemerken.

Man kann sehr viel können und trotzdem nicht wissen, was man tun soll.

Ein Fehler ist manchmal nur ein Ergebnis, das noch nicht weiß, was es werden möchte.

Dieser Zettel ist nicht besonders wichtig. Aber schön, dass du ihn trotzdem gelesen hast.

Bitte legen Sie den Zettel nach Gebrauch ins Regal. Das Leben braucht Ordnung.

Wer diesen Zettel versteht, hat vermutlich zu lange darüber nachgedacht.

Vielleicht ist die Wand gar nicht im Weg. Vielleicht stehst du nur davor.

Ist eigentlich das Beste vom Schlechten schon das Gute?

Bitte keine bedeutungsvollen Blicke auf diesen Zettel werfen. Der Zettel weiß auch nicht weiter.

Falls Sie gerade über das Leben nachdenken: Das Essen steht dort drüben.

Heute schon jemandem widersprochen? Sehr gut. Jetzt können Sie wieder freundlich sein.

Wer zu lange über den Sinn des Lebens nachdenkt, verpasst möglicherweise den Kuchen.

Sollten Sie eine Erleuchtung haben, stellen Sie sie bitte nach Gebrauch wieder zurück.

Manchmal ist das Schönste an einer Sache, dass niemand sie braucht.

Was werden will, braucht manchmal nur jemanden, der es nicht verhindert.

Nicht alles muss sinnvoll sein. Dieser Satz zum Beispiel vielleicht auch nicht.

Wer einen Plan hat, darf ihn gerne behalten.

Der Mensch denkt. Der Körper hat Hunger.

Wir empfehlen heute: weniger Optimierung, mehr Nachtisch.

Niemand ist verpflichtet, diesen Zettel ernst zu nehmen. Das Leben ist kompliziert genug.

Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst: „Noch ein Stück?“ funktioniert erstaunlich oft.

Vielleicht ist das kein Fehler. Vielleicht ist es nur noch nicht fertig.

Du bist nicht schwierig. Du bist kompliziert. Das ist menschlich.

Nicht jeder Umweg ist eine Lektion. Manche sind einfach Umwege.

Man darf seine Ansicht ändern - ohne dafür umziehen zu müssen.

Wer einen Standpunkt hat - darf der noch tanzen?

Es muss nicht immer etwas Großes passieren. Manchmal genügt es, wenn die Kleinigkeiten nicht schief gehen.

Manche Dinge lassen sich nicht reparieren. Man kann ihnen aber einen schönen Platz geben.

Du musst nicht wissen, was hier gerade passiert. Wir wissen es auch nicht ganz.

Du musst jetzt nicht glänzen. Das Licht hat gerade andere Aufgaben.

Der Schmetterling hat keinen Lebenslauf.

Die Raupe würde den Schmetterling vermutlich für einen ziemlich übertriebenen Plan halten.

Am Tisch sind wir alle ungefähr gleich hungrig.

Wer gemeinsam isst, muss nicht derselben Meinung sein.

Das Salz steht dort, wo du es nicht erwartest. Wie so vieles.

Manche Fragen klären sich nach dem Essen. Andere brauchen Nachtisch.

Der Mensch ist ein erstaunliches Wesen. Er kann über das Ewige nachdenken und gleichzeitig
nach dem  letzten Stück Kuchen schauen.

Was wäre, wenn das, was fehlt, nicht fehlt?

Wenn du glaubst, alles verstanden zu haben, stell den Stuhl wieder hin.

Bitte vergleichen Sie sich nicht mit Menschen, die Sie nur von außen kennen. Das ist statistisch albern.

Vielleicht darfst du dich zeigen, bevor du dich im Griff hast. Auch wer rot wird, gehört dazu.

Falls Sie gerade über sich selbst lachen: ausgezeichnete Richtung.

Wisse, was du willst. Und bleib offen dafür, dass du dich irrst.

Wenn du lachen musst, lach. Wir können später weiterdenken.

Bleib noch fünf Minuten. Vielleicht passiert nichts.

Die Wahrheit hat manchmal schlechte Manieren.

Manche Konflikte sind nach dem Essen kleiner.

Wer müde ist, darf schweigen. Wer hungrig ist, darf essen. Das sind zwei ziemlich gute Grundrechte.

Wir können später wieder bedeutungsvoll werden. Jetzt grillen wir erstmal.

Manchmal ist das Schönste an einem Gespräch, dass es nicht fertig wird.

Jeder Mensch hat irgendwann Hunger. Das verbindet mehr, als man denkt.

Die besten Geschichten beginnen selten mit „Das war geplant“.

Das Leben ist erstaunlich schlecht darin, sich an unsere Vorstellungen zu halten.

Du musst nicht jeden inneren Kommentar ernst nehmen. Nicht jede Stimme in deinem Kopf hat Ahnung.

Vielleicht wäre ein freundlicher Blick auf dich selbst heute schon Entwicklung genug.

Eine Tür ist eine Wand, die sich entschieden hat.

Falls es nicht funktioniert: Willkommen im echten Leben.

Vielleicht ist genug nicht weniger.

Wer kocht, muss nicht auch abwaschen. Wer abwäscht, darf dabei singen.

Bitte nicht versuchen, den Abend zu optimieren.

Du kannst den Zettel auch einfach wegwerfen.

Du kannst das Leben auch einfach leben.

Ein Vogel singt. Er nennt es nicht Selbstverwirklichung.

Vielleicht ist Atmen auch ohne Methode erlaubt.

Man kann sehr viel über Wasser wissen und trotzdem durstig sein.

Du kannst das Leben erklären. Aber es wird davon vielleicht nicht beeindruckt sein.

Nicht jede Gänsehaut ist eine Botschaft. Manchmal ist es kalt.

Nicht alles ist Schwingung. Manches ist ein Tisch.

Manchmal ist der Sinn eines Spaziergangs: spazieren.
Der Regen fällt. Wir müssen nichts daraus lernen.
Eine Wolke ohne Botschaft ist trotzdem eine.
Ein Baum ist kein Gleichnis. Er ist ein Baum.
Manchmal ist ein Vogel einfach ein Vogel.
Und manchmal ist ein Vogel ziemlich wunderbar.

Manchmal braucht die Seele ein Butterbrot.

Manchmal braucht die Seele Ruhe. Der Körper weiß das oft früher.

Atme. Nicht als Übung. Einfach, weil du es sowieso tust.

Manchmal war es einfach schön. Ende der Analyse.

Nicht jede Begegnung ist transformativ. Manche sind einfach nett.

Du musst nicht erleuchtet sein, um freundlich zu sein.

Vielleicht ist das Wesentliche nur deshalb so schwer zu sehen, weil es nichts Besonderes daraus macht.

Vielleicht ist das Höchste manchmal das Naheliegende.

Ein Glas Wasser ist auch ohne Symbolik ziemlich wunderbar.

Ein Mensch sucht den Sinn des Lebens. Das Essen ist inzwischen kalt.

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis von Feuer ist manchmal ziemlich warm.

Nicht jede Synchronizität muss dokumentiert werden. Wenn zwei Vögel gleichzeitig fliegen, dürfen sie das.

Du musst nichts Kluges sagen. Du darfst etwas Einfaches sagen, das stimmt.

Ein guter Satz muss nicht gelehrt klingen.

Manchmal versteht ein Kind etwas früher. Manchmal versteht die Oma es sowieso.

Die Natur hat keine Karriere. Die Blume hat keine Website.

Nicht jeder Plan überlebt das Leben.

Bitte bleiben Sie natürlich. Künstlich können wir später immer noch werden.

Wenn du dich gefunden hast, sag Bescheid. Wir suchen noch den Schlüssel.

Das Wesentliche ist vermutlich irgendwo hier. Aber wir müssen nicht danach suchen.

Bitte keine Angst vor einfachen Gedanken. Das Leben ist kompliziert genug.

Sei wenigstens beim Frühstück unkompliziert.

Dieser Zettel hat eine tiefere Bedeutung. Leider steht sie nicht drauf.

Du bist übrigens auch ein Mensch.

Bevor du mir sagst, was du glaubst: Was machen die Tomaten?

Bevor wir über Menschen reden, schauen wir einmal, wer hier sitzt.

Bevor du hilfst, frag.

Wer hat gesagt, dass das so sein muss?

Wer hat gesagt, dass das nicht so sein darf?

Nicht jede Schwingung ist wichtig. Manche sind Waschmaschinen.

Man darf tiefgründig sein und albern. Und beides am selben Nachmittag. Heute ist auch so ein Tag.

Das Wetter fragt dich nicht, wie du dich entwickelst. Der Regen macht seinen Teil. Du kannst deinen  machen.

Danke, Kopf. Jetzt mal 50 Jahre Herz.

Du darfst unfertig sein. Das ist bei Menschen ziemlich üblich.

Nicht jede Begegnung muss dein Leben verändern. Manche verändern nur deinen Abend.

Das Leben ist kein Aussichtsturm. Komm ruhig wieder herunter. Hier unten gibt es Kuchen

Erhaben sein ist schön. Aber barfuß ist auch nicht schlecht.

Man darf mit den Jahren auch leichter werden.

Vielleicht bist du nicht blockiert. Vielleicht willst du gerade einfach nicht.
Nicht jede Unlust ist ein Entwicklungsschritt. Manchmal ist Widerstand nur Widerstand.

Nicht jede Krise möchte ein Geschenk sein. Manche Krisen möchten vorbei sein. Das darf man ihnen  gönnen.

Du könntest recht haben. Ich könnte auch recht haben. Wir könnten beide danebenliegen. Wie angenehm.
Dann müssen wir wenigstens niemanden bekehren.

Das Leben hat verstanden, was du meinst. Du darfst aufhören.

Vielleicht beginnt dein Weg dort, wo deine Füße stehen.

Dein Rücken möchte wahrscheinlich nicht noch mehr von deiner Weltanschauung hören.
Er möchte einen  anderen Stuhl.

Schultern runter. Kiefer locker. Atem kommen lassen. Füße auf den Boden.
Da. Jetzt bist du wieder ein bisschen hier.

Wenn nichts mehr hilft: Kuchen. Wenn Kuchen nicht hilft: Schlaf. Wenn Schlaf nicht hilft: vielleicht doch  Kuchen.

Der Hund hält dich vermutlich für komplizierter, als du sein müsstest.

Der Hund hat jetzt keinen Hunger. Er bettelt aus Gewohnheit.

Nimm, ohne dich zu schämen.

Du willst die Welt retten? Fang mit dem Geschirr an.

Sein oder Nichtsein? Erst einmal da sein.

Man kann über Freiheit reden. Man kann auch die Stalltür offen lassen.

Nicht alles, was man nicht erklären kann, ist geheimnisvoll. Manches ist einfach noch nicht verstanden.
Das ist weniger aufregend. Aber vielleicht ehrlicher.

Ein Baum weiß nicht, wann er fertig ist. Vielleicht ist das ein ziemlich gutes Leben.

Wir sind noch lange nicht fertig. Zum Glück.

Jetzt geh schlafen. Morgen sieht manches anders aus. Und wenn nicht, frühstücken wir trotzdem.

Vielleicht ist heute dein wichtigster Termin, fünf Minuten aus dem Fenster schauen.

Wenn du etwas wirklich verstanden hast, kannst du es vielleicht auch einfach tun.

Manchmal ist der beste Schnitt der, den man nicht mehr macht.

Du hast heute nichts verstanden? Du darfst  trotzdem mitessen.

Du bist nicht verpflichtet, dankbar auszusehen.

Du bist kein Projekt. Und die anderen auch nicht.

Es darf auch leicht sein.

Was hält dich eigentlich davon ab?

Vielleicht ist Vernunft manchmal ein sehr bequemes Versteck.

Nicht jeder Fehler ist eine Lektion. Manches ist einfach falsch. Und manchmal hat keiner recht.

Das ist eine interessante Theorie. Wie geht es dem Menschen darin?

Manchmal ist der beste nächste Schritt ein herzhaftes „Mist“.
Du bist ja nicht gescheitert. Das da ist nur gescheitert.

Mach es erst einmal. Dann reden wir darüber.

Dieser Zettel möchte nichts von dir.

Du wirkst gerade ziemlich vernünftig. Das können wir ändern.

Du darfst heute mit dem zufrieden sein, was nicht kaputtgegangen ist.

Du kennst diesen Weg schon? Geh ihn einmal langsam.

Bevor du mir die Geschichte von dem Fluss erzählst, lass mich noch ein Weilchen da bleiben.

Bitte, warte noch, bevor du es mir erklärst. Lass es mich dem erst noch ein Weilchen unwissend  begegnen.

Etwas darüber zu wissen, ist manchmal auch daneben.

Vielleicht haben wir uns geirrt. Auch eine gute Absicht kann danebenliegen.

Gemeinsam essen ist keine Pause vom Wesentlichen.

Abwasch kann eine gute Begegnung nicht stören.

Es muss nicht immer was sein. Bitte nicht interpretieren. Es ist gerade erst passiert.

Auch Erholung muss nicht gelingen.

Vielleicht ist der nächste Schritt – erst morgen dran.

Manchmal steht man nicht still. Man steht einfach.

Manchmal ist „Ich weiß es nicht“ die einzige Wahrheit im Raum.

Man kann über das Glück nachdenken. Man kann auch lachen.

Man kann den Sinn des Lebens suchen. Man kann auch den Tisch schön decken.

Vielleicht braucht die Welt gerade keine neue Theorie. Vielleicht braucht jemand Hilfe beim Tragen.

Der Besen steht im Schrank hinter der Türe.

Die Wirklichkeit hat heute leider keine Sprechstunde.

Die Wirklichkeit ist meistens schon da.

Was heute nicht fertig wurde, darf schlafen gehen.

Vielleicht war es ein guter Tag, ohne besonders gewesen zu sein.

Vielleicht will etwas einfach vorbeigehen.

Heute kein Spruch. Morgen wieder. Vielleicht.

Niemand weiß gerade, wie es weitergeht. Wer möchte, setzt sich dazu.

Du musst nicht wissen, wie man sich hier verhält. Wir suchen noch danach.

Du darfst fragen. Aber wir wissen auch nicht alles.

Du kannst das? Dann haben wir Glück. Zeig mal. Vielleicht kann jemand etwas davon brauchen.

Danke dafür. Schön, dass es hier einen Platz gefunden hat.

Das ist ungewohnt. So hätten wir es nicht gemacht. Zeig ruhig weiter.

Du siehst es anders? Gut.

Das passt nicht in unseren Plan. Aber vielleicht passt es in den Raum.

Lass uns auch noch hören, was die anderen denken.

Warte kurz. Da wollte gerade jemand etwas sagen.

Du hast recht. Und trotzdem sind die anderen noch da.

Wir können auch gemeinsam ratlos sein. Vielleicht braucht das Werden gerade Ruhe. Hat jemand auch  schon Hunger?

Wenn es heute nicht geht, geht es heute nicht.

Ich hab's. Du kannst loslassen.

Du hast dich da vertan. Ich da auch schon.

Wir müssen nicht wissen, wer gerade mehr gibt.

Heute halte ich das aus. Morgen vielleicht du.

Wir haben dich gehört. Jetzt hören wir noch jemand anderen.

Es war schön. Jetzt räumen wir gemeinsam auf.

Falls Sie den Impuls verspüren, jemanden zu retten, schauen Sie bitte zuerst,
ob er gerade vielleicht  einfach nur einen Tee möchte, oder einfach nur beobachten will.

Sollte jemand feststellen, dass er ganz anders ist als die anderen: Herzlichen Glückwunsch –
damit sind Sie wahrscheinlich nicht allein.

Viele schöne Gespräche entstanden, wo niemand versucht hat, ein schönes Gespräch zu führen.

Nicht jeder Anfang fühlt sich so an wie einer.

Gehen Sie heute ein Stück schweigend neben jemandem her. Vielleicht wird er Ihnen sagen, warum.

Heute nichts Besonderes. Einfach gemeinsam da sein.

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben gerade erfolgreich einen Zettel gezogen. Der schwierigste Teil ist geschafft.

Falls Sie gehofft hatten, dieser Zettel erkläre Ihnen den Sinn des Lebens: Bitte ziehen Sie einen zweiten.

Heute müssen Sie niemand beeindrucken. Morgen übrigens auch nicht.

Sollten Sie heute erleuchtet werden, denken Sie bitte daran, heute Abend trotzdem beim Aufräumen mitzuhelfen.

Dieser Zettel hatte gehofft, von jemand anderem gezogen zu werden.

Heute gibt es keine Hausaufgaben. Nur Gegenwart.

Falls Sie heute jemanden treffen, der alles verstanden hat: Seien Sie freundlich zu ihm.

Sie dürfen Fehler machen. Wir führen keine Liste.

Sie dürfen heute auch einfach müde sein.

Die wichtigste Aufgabe dieser Woche: Nicht Zucker mit Salz verwechseln. Alles andere findet sich.

Heute müssen Sie niemand retten. Außer vielleicht eine Wespe in Ihrer Limonade.

Sollten Sie heute nichts Besonderes sehen, schauen sie woanders hin.

Vielleicht ist Geduld heute mutiger, als ein neuer Anlauf.

Es gibt Tage, an denen schon das Aufstehen eine Leistung war. Wir respektieren das.

Vielleicht muss heute nichts gelöst werden. Mach Urlaub!

Vielleicht ist auch Ihre Orientierungslosigkeit heute willkommen.

Es tut gut, nicht immer stärker sein zu müssen.

Dieser Zettel ist gar nicht für Sie. Bitte einen anderen ziehen, und das nächste Mal besser der Intuition folgen.

Sie sehen heute erstaunlich gegenwärtig aus.

Keine Sorge: Niemand wird heute abgefragt. Aber, was bilden Sie sich eigentlich ein?

Manches braucht heute keinen Rat.

Dieser Zettel war eigentlich für morgen gedacht. Unauffällig zurücklegen und einen von heute ziehen.

Vielleicht wartet heute nicht das ganze Programm auf Sie, sondern nur ein einziger Moment.

Sie müssen heute nichts verstehen. Vielleicht genügt es, anwesend zu sein.

Vielleicht wird heute etwas still.

Vielleicht ist Stille heute auch Musik.

Vielleicht hat das Konzert schon lange begonnen. Seele sing!

Sie werden heute Wunder erleben: Menschen.

Was könnte heute beginnen?

Falls Sie heute besonders weise wirken: Bitte trinken Sie trotzdem genug.

Heute keine Eile. Morgen wahrscheinlich auch nicht.

Was müsste heute geschehen, damit Sie sagen: „Dieser Tag war gut.“ ?

Vielleicht ist Ihr größtes Talent das, welches Sie selbst am wenigsten beachten.

Welche Hoffnung haben Sie leise begraben?

Welcher Mensch würde heute aufatmen, wenn Sie ihm nichts mehr beweisen wollten?

Heute nichts suchen.

Nicht jedes Gespräch braucht ein Ziel.

Man muss ein Gespräch nicht gewinnen.

Lass heute jemanden größer werden.

Heute sage, was du fühlst. Und Fühle, was du sagst.

Was darf heute gefunden werden?

Vielleicht braucht das Leben weniger Erklärungen, als einfache Mitspieler.

Das Programm beginnt pünktlich. Das Wesentliche manchmal früher.

Wann haben Sie heute innerlich "Ja" gesagt?

Falls Sie gerade nichts fühlen: Das ist erstaunlich häufig der Anfang.

Falls Sie gerade überlegen, ob Sie alles richtig machen: Willkommen im Club.

Dieser Zettel wollte eigentlich ein Schmetterling werden.

Bitte bemühen Sie sich nicht, der aufmerksamste Gefährte zu sein. Dann bemerkt es doch keiner.

Christoph hatte ursprünglich vor, eine Konzerthalle zu bauen. Jetzt sitzen wir alle am Lagerfeuer. Das Leben hat Humor.

Falls Sie gerade denken: 'Ich sollte spiritueller sein' – vielleicht essen Sie erst einmal etwas – Traubenzucker.

Manche Zettel sagen mehr. Dieser nicht.

Atmen genügt manchmal.

Sie denken, keiner weiß es? Doch: Das Holz kennt das Brennen.

Alle Sterne erscheinen nicht gleichzeitig.

Falls Sie gerade nach einer tiefen Weisheit suchen: Das Feuer knistert auch ohne sie – aber auch für Sie.

Vielleicht beginnt das Schönste erst auf dem Heimweg.

Dieser Zettel wollte eigentlich im Feuer landen. Jetzt ist er froh, in Ihren Händen zu liegen. Darf er bei Ihnen bleiben?
Für immer?

Wer wären Sie, wenn niemand etwas von Ihnen erwartete?

(Am Spiegel) Es tut gut, nicht immer interessant sein zu müssen.

Wenn wir erzählen – vielleicht möchten nicht alle mitzählen.

Wer zwei linke Hände hat, darf trotzdem beide benutzen.

Bitte nichts verbessern, was gerade schön wird.

Hier darf Hilfe auch einmal die Richtung wechseln.

Die Pause dient der Erholung. Und manchmal der Reparatur.

Der Grillabend ist übrigens kein Weltanschauungsseminar.

Einer schneidet. Einer kocht. Einer probiert.

Wenn alle dasselbe können, braucht man irgendwann nur noch einen von ihnen.

Wenn der erste Schritt nicht stimmt, war es vielleicht noch nicht der erste.

Wie oft am Tag denkt man: Das hätte ich jetzt nicht gedacht.




Sonstige noch unsortierte

Ein Marmeladentoast am Morgen. Ein bunte Blumenwiese.
Ein warmer Sonnenstrahl auf dem Gesicht.
Der Duft von Pferden. Ein Lied, das uns plötzlich lächeln lässt.
Das Wesentliche wohnt nicht nur in den großen Fragen des Lebens.
Es kann ganz einfach neben uns sitzen und mit den Beinen schaukeln.
Oder mit drei Einkaufstaschen am Zebrastreifen stehen.
Oder uns durch ein Marmeladentoast anlächeln.

Das Wesentliche muss nicht immer erhaben sein. Es darf auch nach Marmelade schmecken.

Manchmal ist das Wesentliche ein Sternenhimmel. Manchmal eine Blumenwiese. Und manchmal einfach ein  Marmeladentoast.

Die gewaltigste Passage einer Komposition kann vom höchsten Himmel erzählen, von tiefster Opferbereitschaft –
und von dem befreienden Glück, wieder Marmeladentoast mögen zu dürfen.

Vielleicht ist wahre Spiritualität die Rückkehr des Menschen ins ganze Leben.
Der Sternenhimmel und das Frühstück – beide gehören zum selben Leben.

Wer sagt eigentlich, dass ein Sternenhimmel besser ist als ein Marmeladentoast?

Es ist Morgen. Ich bin noch da. Ich habe Hunger. Und ich freue mich auf meinen Marmeladentoast.

Das Wesentliche kann groß sein. Es kann still sein. Es kann aufwecken. Es kann uns zum Weinen bringen.
Und manchmal kann es ganz schön kleben.

Wann hast du zuletzt etwas geliebt, ohne zu wissen, warum?

Was bleibt von einem Menschen, wenn alles wegfällt, was er darstellen wollte?

Kannst du etwas loslassen, ohne es geringzuschätzen?

Wann hast du zuletzt nichts gebraucht, um glücklich zu sein?

Was, wenn du nicht mehr werden musst, als du bereits bist?

Welche Stille kennst nur du?

Woran würdest du merken, dass du wieder ganz im Leben angekommen bist?

Was in deinem Leben möchtest du niemals für selbstverständlich halten?

Was ist dir wichtig, obwohl es niemand sehen muss?

Was wäre, wenn das Wesentliche nicht verborgen ist, sondern nur leise?

Was darf in deinem Leben klein sein und trotzdem groß?

Was möchtest du bewahren, ohne es festhalten zu müssen?

Wann fühlt sich dein Leben nach deinem eigenen Leben an?

Wo in deinem Leben darfst du einfach sein?

Gibt es etwas, das du wiedersehen möchtest, obwohl du weißt, dass es nie genau so zurückkehren wird?

Was wäre heute anders, wenn du wüsstest, dass du genug Zeit hast?

Wen würdest du gern noch einmal ganz ohne Eile ansehen?

Wem hast du etwas nie gesagt, obwohl es in dir geblieben ist?

Kann Liebe auch darin bestehen, jemanden seinen eigenen Weg gehen zu lassen?

Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest, zu viel zu lieben?

Wem musst du vielleicht nicht mehr böse sein, um dich selbst ernst zu nehmen?

Welche alte Geschichte über dich selbst darf vielleicht enden?

Welches Essen macht dich sofort ein bisschen mehr zu dir selbst?

Was hörst du, wenn einmal nichts von dir verlangt wird?

Was möchte in dir gehört werden, bevor du wieder weitersprichst?

Muss etwas vollkommen sein, um schön zu sein?

Warum kann uns etwas berühren, das wir nicht verstehen?

Welche Schönheit würdest du übersehen, wenn du es eilig hast?

Was geschieht, wenn du etwas nicht beurteilst, sondern einfach ansiehst?

Was würde dir jetzt guttun?

Kannst du für einen Moment nichts tun?

Ist dieser Augenblick vielleicht schon einer von denen, nach denen du dich später sehnen wirst?

Bist du da?

Was würdest du deinem jüngeren Ich heute gerne sagen?

Was möchtest du niemals verlernen?

Wann ist ein Augenblick lang genug?

Welchen Augenblick würdest du gerne noch einmal ganz langsam erleben?

Wohin gehst du, wenn niemand dir sagt, wohin du gehen sollst?

Ist dein Weg noch deiner, wenn alle anderen ihn verstehen?

Was würdest du tun, wenn du nicht wissen müsstest, wohin es führt?

Woran würdest du erkennen, dass es Zeit ist weiterzugehen?

Kann Mut auch darin bestehen, weich zu bleiben?

Was wäre, wenn du nicht stark sein müsstest, um mutig zu sein?

Darfst du etwas falsch machen, ohne dich selbst falsch zu finden?

Was siehst du, wenn du einen Menschen nicht nach seinem Nutzen betrachtest?

Was, wenn jeder Mensch etwas in sich trägt, das wir niemals sehen werden?

Was ist dein Lieblingsgeräusch?

Was möchtest du wirklich? Was brauchst du wirklich? Was davon ist dasselbe?

Was, wenn der Weg nach innen nicht von der Welt wegführt, sondern tiefer in sie hinein?

Vielleicht ist Erleuchtung nicht, über dem Leben zu schweben – sondern wieder ganz darin anzukommen.

Wie nah darf ein Mensch dir kommen?

Wer kennt die Seite von dir, die sonst niemand sieht?

Wem kannst du deine Müdigkeit zeigen?

Wer darf dich sehen, ohne dass du dich schöner machen musst?

Wie würdest du mit dir umgehen, wenn du dich selbst nicht verbessern müsstest?

Wem möchtest du eigentlich gefallen?

Wonach sehnst du dich, wenn du einmal nichts brauchst?

Gibt es einen Ort, an den du noch nicht gegangen bist, obwohl du ihn längst in dir trägst?

Wie verabschiedet man sich von etwas, das man immer lieben wird?

Welchen Menschen trägst du weiter, obwohl du ihn nicht mehr begleiten kannst?

Wem verdankst du etwas, das du nie zurückgeben kannst?

Was wäre, wenn Dankbarkeit nicht bedeutet, dass alles gut ist – sondern dass trotzdem etwas gut ist?

Was hörst du in einem kleinen Fehler, den kein Computer gemacht hätte?

Was geschieht mit uns, wenn wir für einen Augenblick vergessen, wie wichtig wir selbst sind?

Vielleicht sind Demut, Hingabe, Ehrfurcht nicht Gefühle, klein zu sein.
Vielleicht gehören sie zum Glück, Teil von etwas Größerem zu sein.

Gibt es etwas, das du nur deshalb magst, weil du es schon immer mochtest?

Manchmal schaut man zum Himmel. Manchmal schaut man einem Menschen in die Augen.
Und manchmal schaut man in den Kühlschrank.

Wohin muss ein Augenblick eigentlich führen?

Was, wenn auch das Gewöhnliche ein geglücktes Leben sein kann?

Was, wenn du nicht erst jemand anderes werden musst, um liebenswert zu sein?

Kann Gemeinschaft auch darin bestehen, einander in Ruhe zu lassen?

Was wäre, wenn Verschiedenheit nicht das Gegenteil von Gemeinschaft wäre, sondern ihre Voraussetzung?

Warum riecht Regen so gut?

Warum macht uns ein Hund manchmal glücklicher als ein kluger Gedanke?

Warum kann man über etwas lachen, obwohl man eigentlich traurig ist?

Ist das Leben nicht erstaunlich?

Kann man dem Wesentlichen auch begegnen, wenn man gerade Socken sucht?

Was, wenn die Antwort auf alle großen Fragen gerade im Kühlschrank liegt?

Kann ein Mensch das Universum verstehen und trotzdem seine Brille suchen?

Wann wird Nachdenken eigentlich zu Grübeln?

Wie lange darf man über einen Sinn nachdenken, bevor man ihn einfach leben sollte?

Kann man zu viel über das Wesentliche nachdenken? Und wenn ja: Wäre das dann vielleicht gerade der Beweis?

Wie viele Musiker braucht man, um einen Notenständer aufzubauen?

Wenn ein Komponist beim Schreiben weint, ist das dann schon Spiritualität –
oder nur eine Stelle, an der er nicht weiter kommt?

Kann Musik großartig sein, obwohl man dabei den Text nicht versteht?
Und wenn man ihn versteht: Muss man  ihn dann immer noch mögen?

Muss man sich selbst finden, oder reicht es, wenn man weiß, wo man wohnt?

Kann man inneren Frieden haben und trotzdem genervt sein?

Was, wenn wir das Tiefgründige suchen und dabei das Offensichtliche übersehen?

Wie viel Dunkelheit kann ein Mensch durchstehen, ohne sein Licht zu vergessen?

Kann man weitergehen, ohne zu wissen, wohin?

Was trägt dich, wenn du selbst gerade nichts tragen kannst?

Wie verabschiedet man sich von einem Leben, das man sich anders vorgestellt hatte?

Ist Vergessen wirklich das Gegenteil von Erinnern – oder manchmal nur die Angst davor?

Kann ein zerbrochener Mensch trotzdem nicht verloren sein?

Wie steht man wieder auf, wenn man nicht weiß, ob man noch Kraft hat?

Kann Mut bedeuten, zuzugeben, dass man Angst hat?

Kann ein zitternder Mensch mutiger sein als ein furchtloser?

Wie viel Licht braucht man, um weiterzugehen?

Warum kann ein Mensch nach einer schweren Zeit plötzlich über etwas ganz Kleines lachen?

Warum kann ein kleines Lächeln nach einer schweren Zeit beinahe heilig sein?

Was geschieht, wenn ein Mensch alles verliert, woran er geglaubt hat – und trotzdem aufsteht?

Was macht einen Menschen unbesiegbar – und was macht ihn menschlich?

Kann ein einziger Mensch dem Leben noch etwas entgegensetzen, wenn alles gegen ihn spricht?

Es gibt Dinge, die nicht schön sind. Und trotzdem kann das Leben wieder schön werden.

Vielleicht ist nichts verloren. Vielleicht ist manches nur anders geworden.

Vielleicht darfst du dich erinnern. Vielleicht darfst du vergessen. Vielleicht darfst du beides.

Es war schwer. Und jetzt ist es vorbei. Nicht alles. Aber dieser Moment. Dieser ist jetzt da. Atme. Schau. Du bist hier.

Nichts muss geschehen – damit dieser Augenblick wirklich ist.

Die Wolken müssen nirgendwo ankommen.
Der Wind bewegt die Blätter. Niemand hat ihm gesagt, wie.
Ein Kind lacht. Und für einen Moment ist alles einfach.

Die Nacht war lang. Der Morgen – einer wie alle. Nur du – nicht mehr.

Vielleicht ist Frieden nicht, dass nichts mehr weh tut. Vielleicht ist Frieden, dass es trotzdem wieder schön sein darf.

Du wolltest das Leben verstehen. Dann kam ein Kind vorbei und lachte.

Vielleicht ist Erwachen nicht der Moment, in dem du etwas erkennst. Sondern der, in dem du wieder am Leben teilnimmst.

Und manchmal ist das Größte, was einem Menschen geschehen kann: Er darf wieder ganz gewöhnlich sein.

Du wartest auf den großen Augenblick. Und dann ist es nur ein Vogel auf dem Zaun.

Vielleicht ist Vergebung nicht, dass es nie geschehen ist. Sondern dass es nicht mehr alles bestimmt.

Du erinnerst dich an gestern. Und plötzlich merkst du: Heute ist heute.

Du hast so lange nach Licht gesucht. Dann machst du die Augen auf.

Vielleicht wird das Wunder nicht sein, dass etwas Unmögliches geschieht. Sondern, dass das Gewöhnliche plötzlich genügt.

Du dachtest, du hättest nichts zu geben. Dann hast du jemandem zugehört.

Du dachtest, du müsstest noch etwas werden. Dann sahst du dich im Spiegel und warst einfach da.

Der Tag war schwer. Und am Abend hat jemand gelacht. Und die ganze Welt war wieder ganz.

Manche Dinge brauchen keine Worte. Das Leben kennt dich auch so.

Du wolltest alles richtig machen. Dann musstest du lachen.

Du kennst diesen Menschen seit Jahren. Und plötzlich siehst du ihn.

Ein fremder Mensch hält dir die Tür auf. Und im Augenblick ist die Welt weniger fremd.

Du hattest Angst vor dem Morgen. Dann wurde es Morgen.

Du dachtest, du seist allein. Dann hörst du irgendwo jemanden lachen. Und plötzlich ist da ein Wir.

Die Blume ist schön, weil sie blüht. Und vielleicht auch, weil sie nicht bleiben wird.

Du wolltest etwas Besonderes erleben. Dann hast du barfuß im Gras gestanden. Und hast nichts vermisst.

Vielleicht ist das Leben gar nicht die Aufgabe, für die wir es halten. Vielleicht ist es ein Spielplatz.

Du musst nicht immer wissen, wohin du gehst. Manchmal ist Schaukeln genug.

Das Leben hat keine Bedienungsanleitung. Aber eine Rutsche.

Manchmal solltest du nicht tiefer gehen. Manchmal solltest du höher schaukeln.

Du hast so viel vor. Und dann entdeckst du eine Pfütze.

Und irgendwann merkst du: Du hast gar nicht gespielt, um irgendwohin zu kommen. Du hast gespielt, weil du hier warst.

Du darfst etwas anfangen, ohne zu wissen, ob du es kannst. Kinder nennen das Spielen.

Manchmal ist der Weg das Ziel. Und manchmal führt er zur Eisbude.

Das Leben ist ernst. Natürlich. Aber warum sollte man deshalb nicht im Gras liegen?

Vielleicht ist das Wesentliche nicht nur das, was wir begreifen. Vielleicht ist es auch das, woran wir uns freuen.

Vielleicht ist ein gutes Leben nicht das, in dem wir alles richtig machen.
Sondern das, in dem wir nicht vergessen, dass wir hier sind, um zu leben.

Du darfst etwas ausprobieren, nur weil du wissen willst, was passiert.

Das Leben hat genug Menschen, die alles im Griff haben. Sei einer von denen, die wieder loslassen.

Du darfst neugierig bleiben. Auch auf dich.

Man kann ein Instrument arbeiten - und man kann es spielen.

Das Erreichbare ist nicht geringer.

Ist man weise, wenn man alles weiß?

Interessant, wie du das siehst.

Es gibt immer etwas, das man tun man. Und wenn es das ist: es einmal zu lassen.

Problematisch? Warum willst du das glauben?

Hast du dich schonmal gefragt, warum du . . . ?

Benutzt der Wille das Bewusstsein? Oder beobachtet das Bewusstsein aufmerksam den Willen?

Etwas zu wollen, ist nicht dasselbe, wie zu beobachten, dass man etwas will.

Ist es schwerer, es anzufassen und zu beseitigen, oder es vor sich her zu schieben?

"So bin ich nun einmal."
"Ja, so hab ich auch mal gedacht. Bis etwas Unerwartetes eine Veränderung brachte, die mir gut tat. Bitte, bleib offen."

Es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen. Schwierig wird es erst, wenn man so tut, als wüsste man es.

Nicht alles, was wir nicht verstehen, ist Unsinn. Nicht alles, was wir verstehen, ist wahr.

Wer sich irren kann, hat noch Möglichkeiten.

Manchmal beginnt ein Gespräch erst dort, wo die Erklärungen aufhören.

Vielleicht bist du nicht am Ende deiner Möglichkeiten, sondern nur am Ende einer bestimmten Vorstellung davon.

Eine gute Idee erkennt man nicht immer daran, dass sie einen sofort überzeugt. Manchmal daran, dass sie einen nicht mehr loslässt.

Wer immer nach dem großen Glück Ausschau hält, sollte gelegentlich prüfen, ob es klein vor der Tür steht und bei uns wachsen möchte.

Das Leben ist nicht nur das, woran wir uns später erinnern. Es ist auch das, was wir gerade übersehen.

Wer über sich selbst lachen kann, muss nicht immer warten, bis andere damit anfangen.

Gelassenheit ist, wenn man sich über etwas ärgert und es nicht sofort allen mitteilt.

Manche Dinge muss man einfach auf sich zukommen lassen. Andere sollte man vorher aus dem Weg räumen.

Nicht jeder Konflikt kann gelöst werden. Mancher muss erst einmal ehrlich werden.

Manchmal halten wir an etwas fest, nicht weil es uns gut tut, sondern weil wir so viel dafür gegeben haben.





Widukind

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Komm, setzen wir uns erst einmal.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Das ist doch schön.“

Vielleicht hätte Widukind gar nichts gesagt.

Vielleicht hätte Widukind gefragt: „Warum eigentlich?“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Lass uns schauen.“

Vielleicht hätte Widukind einfach gelacht.

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Ich weiß es auch nicht. Aber ich bin neugierig.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Vielleicht müssen wir das gar nicht verstehen.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Lass ihn doch einmal selbst probieren.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Du musst ihm nicht helfen. Frag ihn einfach.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Der kann das schon. Und wenn er es nicht kann, kann er uns ja fragen.“

Vielleicht hätte Widukind nicht versucht, ihn wieder fröhlich zu machen.
Vielleicht hätte Widukind einfach dabeigesessen.

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Wein ruhig. Ich bleibe noch.“ und irgendwann:
„Möchtest du einen Tee?“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Wenn er es besser kann, ist das doch gut für alle.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Lass ihr die Freude.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Du musst nicht der Beste sein. Du darfst einfach Freude daran haben.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Können wir das auch einfach essen?“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Jetzt hört mal auf zu denken und kommt essen.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Wer hat eigentlich den Abwasch erfunden?“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Du musst aus mir nichts machen.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Ich bin nicht das, was ihr aus mir macht.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Ich wollte gar nicht gerettet werden. Ich wollte, dass ihr bei mir seid.“

Vielleicht hätte Widukind das gar nicht so gesagt. Vielleicht hätte er es einfach getan.

Vielleicht hätte Widukind jetzt geschwiegen.

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Jetzt mach mal langsam.“

Vielleicht hätte Widukind gefragt: „Warum denn nicht?“

Vielleicht hätte Widukind einfach angefangen.

Vielleicht hätte Widukind erst einmal zugehört.

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Du darfst auch einfach glücklich sein.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Das muss doch nicht immer einen Sinn haben.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Mach dir nicht so viele Gedanken.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Geh raus. Es ist schönes Wetter.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Komm, wir machen das jetzt einfach.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Ich bin doch da.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Macht weiter.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Habt keine Angst vor dem, was kommt.“

Vielleicht hätte Widukind … ach komm, du weißt doch selbst, was jetzt zu tun wäre.

Vielleicht hätte Widukind nicht gewollt, dass du wirst wie er. Vielleicht hätte er gewollt, dass du ganz wirst.

Vielleicht war Widukinds Stärke nicht, dass er keine Angst hatte.
Vielleicht hat er nur nicht gewartet, bis die Angst verschwunden war.

Vielleicht hätte Widukind dir widersprochen. Nicht weil du Unrecht hattest.
Weil er noch etwas anderes sehen wollte.

Vielleicht hätte Widukind heute etwas vermisst.

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Ihr müsst nicht so sein wie ich.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Hört auf, mich zu fragen.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Das geht nicht“ ist noch keine Antwort.

Vielleicht hätte Widukind etwas ausprobiert, bevor er sich eine Meinung darüber gebildet hätte.

Vielleicht hätte er gesagt: „Probieren wir es. Danach können wir immer noch klug sein.“

Vielleicht hätte Widukind nicht gewusst, was richtig ist.
Vielleicht hätte er trotzdem angefangen, es herauszufinden.

Vielleicht war er nicht deshalb mutig, weil er keine Zweifel hatte.
Vielleicht hatte er sie nur nicht zum Chef gemacht.

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Wir können uns später noch Sorgen machen.“

Vielleicht hätte er gesagt: „Erst einmal sehen, was passiert.“

Vielleicht hätte er gesagt: „Komm, wir machen Platz.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Lass sie.“

Vielleicht hätte Widukind gesagt: „Lass uns!“

Wir müssen nicht schon so sein. Aber wir dürfen bemerken, wenn wir es noch nicht sind.
Wir verlangen nicht, dass jemand schon dort ist. Aber vielleicht möchtest er wissen, dass es diesen Ort  gibt.
Wenn Du an Widukind denkst, frag dich einmal, was du jetzt tun möchtest.






Ausdrucksformen


Tanzen

Heute tanzen wir. Morgen können wir darüber nachdenken.

Wer den Takt verliert, darf trotzdem weitertanzen.

Ein neuer Tanz. Manchmal ist der falsche Schritt genau der richtige.

Wer tanzt, hat gerade keine Hand frei zum Bewerten.

Man kann einen Menschen anders kennenlernen, wenn man mit ihm tanzt.

Manchmal hat der Körper hat beim Tanzen seine eigene Idee.

Tanzen muss nicht perfekt sein. Es muss stattfinden.

Wer nicht tanzen kann, kann wenigstens anfangen.

Wenn zwei nicht tanzen können, ist wenigstens keiner allein.

Wer beim Tanzen alles richtig machen möchte, hat vermutlich noch nicht angefangen.

Beim Tanzen sieht man schnell, wer zuhört.

Heute Abend gibt es keine falschen Bewegungen. Nur interessante. Wir werden Tanzen.

Man muss nicht mit jedem tanzen. Aber man kann mit vielen lachen.

Nach dem dritten Tanz sind meistens alle etwas weniger bedeutend. Nach dem fünften ist das völlig egal.

Wer beim Tanzen lacht, hat offenbar etwas verstanden. Oder auch nicht.

Beim Tanzen muss es niemand schon können. Aber jemand muss anfangen.

Komm, wir tanzen. Mal führst du. Mal folge ich.

Es ist schön, wenn zwei Menschen nicht dasselbe können und trotzdem miteinander tanzen.

Zwei Menschen. Ein Tanz, ein Rhythmus. Keine weitere Einigung nötig.

„Kannst du tanzen?“ „Nein. Du?“ „Auch nicht. Komm.“

Mancher Tanz beginnt mit einem falschen Schritt.
Am nächsten Morgen hat der Abend dann aber meistens doch Spaß gemacht.

Wer immer führen möchte, sollte einmal tanzen gehen.

Wer immer weiß, wo es langgeht, hat noch nicht mit jedem getanzt.

Tanz. Wer folgt, darf trotzdem wissen, wohin er möchte.

Der zweite Durchlauf eines Tanzes ist oft schon viel schöner, weil jetzt alle wissen, dass es nicht klappt.

Manchmal hilft ein anderer Tanz. Manchmal hilft ein anderer Partner. Manchmal hilft gar nichts. Dann hilft Lachen.

Ein guter Tanz verträgt einen kleinen Irrtum. Ein guter Tanz verträgt auch zwei.
Drei sind dann fast eine Choreografie.

Tanz – vierter Durchlauf. Jetzt passt es. Das war Absicht. Fast.

Anmut beim Tanz ist schön. Stolpern manchmal auch.

Wir tanzen. Du führst. Ich passe auf.

Heute Abend ist Tanz. Da darf das Wesentliche einmal einfach Spass haben – und ein wenig schwitzen.

Der Tanz beginnt, sobald jemand aufhört, darüber nachzudenken.

Tanz. Wenn es komisch aussieht, sind wir vermutlich schon mittendrin.




Musik, Singen

Ein Ton muss nicht perfekt sein. Er mus raus.

Das Lied ist diesmal länger als unser Können.

Erst stimmen. Dann spielen. Zur Not beides gleichzeitig.

Spielen – das Instrument spielen – nicht arbeiten.

Probe. Der Fehler war jetzt aber hörbar. Das ist immerhin schon einmal geklärt.

Probe. Wenn alle dasselbe spielen, ist noch lange nicht alles gut.

Probe. Das war nicht falsch. Das war noch nicht fertig.

Die Probe ist vorbei, wenn niemand mehr weiß, ob es eine Probe war.

Auch der beste Trompeter muss mal Luft holen.

Musik beginnt, wenn das Stimmen aufhört.

Bitte nicht nach dem Sinn fragen. Die Musik läuft schon.

Singen. Der Klang meiner Stimme.

Singen. Meine Stimme malt eine Lied.

Eine Stimme ist schön, wenn sie wahr ist.

Solange man gemeinsam singt, muss man nicht allein tragen.

Gemeinsames Musizieren verlangt kein Gleichsein. Sondern nur Hinhören.

Es gibt Lieder, die man nicht singt, sondern durchlebt.

Die Lieder, die wir heute lernen, sind morgen ein Fotoalbum.





Theater

Keine Courage? Dann geh zur  Theaterprobe. Manchmal ist die Rolle mutiger als der Mensch.

Theater ist der Ort, an dem man sich irren darf und die anderen weiterspielen.

Heute Abend ist niemand peinlich. Es ist Theaterprobe.

Im Theater kann ein Mensch eine Rolle spielen, um sich selbst wiederzufinden.

Theater ist der geschützte Ort, an dem man sich zeigen darf, ohne alles preiszugeben.

Eine Theater-Rolle kann ein Versteck sein – in dem man später eine Türe findet.

Weisheit der Theater-Freunde: Wer eine fremde Rolle spielt,
begegnet manchmal einem unbekannten Teil seiner selbst.

Manchmal versteht man einen Menschen erst, wenn man eine Zeit lang in  seine Rolle schlüpft.

Eine Theatertruppe braucht keine perfekten Menschen. Sie braucht Menschen, die sich einlassen.

Auch wer im Theaterstück nur einen Satz spricht, kann einen ganzen Raum verändern.

Ausdrucksform Theater – wo einer sich zeigt und andere wirklich hinsehen.

Gemeinsam Theaterspielen lehrt, dass man den Einsatz des anderen abwarten muss.

Theater. Ein vergessener Text kann passieren. Ein vergessenes Gegenüber könnte peinlicher sein.

Eine gute Theater-Szene entsteht oft nicht dadurch, dass nur einer glänzt,
sondern dadurch, dass mehrere aufeinander eingehen.

Theater ist gemeinsames Atmen mit offenen Augen.

Theater. Manchmal darf man auf der Bühne weinen, damit man im Leben wieder lachen kann.

Theater. Das Kostüm verändert die Rolle. Die Rolle verändert den Blick.

Theater. Wer eine Maske trägt, zeigt manchmal mehr von sich, als ohne sie.

Auf der Theater-Bühne darf das Unmögliche geschehen. Oft wird dadurch das Wirkliche erträglicher.

Nicht jeder Mensch weiß, wer er ist. Vielleicht möchte er es im Theater zunächst ausprobieren.

Theater. Eine Gesellschaft, die keine Rollen ausprobieren lässt,
verlangt vielleicht von Menschen, sich zu  früh festzulegen.

Theater gibt dem Menschen die Freiheit, für einen Abend anders zu sein, ohne deshalb falsch zu sein.

Theater. Manchmal braucht ein Mensch einen fremden Text, um endlich seine eigene Wahrheit auszusprechen.

Vielleicht ist das eine der großen Aufgaben des Theaters: uns daran zu erinnern,
dass kein Mensch nur  die Rolle ist, die er gerade spielt.

Theater. Vielleicht muss ein Mensch manchmal jemand anderes spielen dürfen,
damit er den Mut findet, er selbst zu sein.

Wer es beim Theaterspielen gelernt hat, die Tollpatsch-Rolle nach der Aufführung wieder abzulegen,
hat vielleicht auch gelernt, sich nicht mit seinem eigenen Scheitern zu verwechseln.

Theaterspielen. Hier darfst du echt sein – denn es wird für gespielt gehalten.





Jonglieren

Beim Jonglieren zählt: Man darf nicht alles festhalten.

Jonglieren heißt, loszulassen, bevor man weiß, ob man wieder auffangen kann.

Jonglieren: Wenn alle Bälle oben sind, ist gerade niemand schuld.

Die Schwerkraft ist beim Jonglieren kein Feind. Sie ist Bedingung.

Jonglieren verlangt keine Fehlerlosigkeit, sondern Aufmerksamkeit.

Jonglieren. So – jetzt nicht mehr alles gleichzeitig festhalten.

Im Jonglieren entsteht Ordnung durch Mischen.

Jonglieren braucht Kontrolle – nicht durch Festhalten – sondern durch gutes Timing.

Die Hände lernen schneller jonglieren, wenn der Kopf ihnen nicht ständig sagt, was sie falsch machen.

Jonglieren. Zu viel geht nur für kurze Zeit.





Balancieren

Balance bedeutet nicht, niemals zu schwanken.

Balancieren. Wer nie wankt, hat vielleicht nur aufgehört, sich zu bewegen.

Balancieren zeigt: Gleichgewicht ist kein Zustand.
Es ist eine ständige Antwort auf Schritt und Atem unseres Lebenspferdes.

Balancieren heißt, den nächsten kleinen Ausgleich zu finden.

Balancieren. Man fällt nicht, weil man schwankt. Man fällt, wenn man es nicht wahrnimmt.

Balancieren. Das Gleichgewicht findet man nicht durch Stillhalten, sondern durch Bewegung.

Wer balanciert, lernt, seinem Körper mehr zu vertrauen als seinem Plan.

Beim Balancieren muss man sich bewegen, um stehen bleiben zu können.

Um Balance zu halten, kann ein Schritt zur Seite ein Schritt in die Mitte sein.

Gleichgewicht bedeutet nicht, niemals zu wanken. Es bedeutet, immer wieder zurückzufinden.

Beim Balancieren ist das Sicherste nicht der feste Stand, sondern die Bereitschaft,
den nächsten Schritt  zu machen.

Das Leben fragt selten, ob wir vorbereitet sind. Es stellt uns auf das Seil und wartet auf den ersten Schritt.

Balancieren. Wer glaubt, nie wanken zu dürfen, lernt nicht, wie es geht.

Balancieren. Ein Mensch, der sein Gleichgewicht verloren hat, braucht nicht immer eine Hand, die ihn festhält.
Manchmal braucht er nur einen Raum, in dem er wieder üben darf.

Balance. Man kann hinter einem Menschen stehen, während er sein Gleichgewicht wiederfindet.





Bildhauen

Bildhauen heißt, etwas freizulegen, das im Material schon wartet.

Bildhauerei. Manchmal entsteht etwas nicht dadurch, dass man etwas hinzufügt oder formt,
sondern  dadurch, dass man das Überflüssige wegnimmt.

Bildhauerei. Die innere Form freizulegen, braucht den Mut, etwas unwiederbringlich abzutragen.
Das  muss nicht schnell gehen.

Ein Bildhauer darf lernen, dass Gewalt und Kraft nicht dasselbe sind.

Bildhauerei. Das Material widerspricht. Und darin beginnt ein Gespräch.

Bildhauerei. Manchmal muss etwas unwiederbringlich verloren gehen, damit etwas sichtbar werden kann.

Bildhauen ist eine Schule der Entscheidung. Man kann einen Stein nicht überreden. Man muss ihm zuhören.

Ein guter Bildhauer sieht im Stein nicht nur früh genug das das, was er werden soll,
sondern auch früh  genug das, was bleiben darf.

Bildhauerei. Was nicht mehr zur Gestalt gehört, darf gehen.
Manchmal braucht es einen Menschen, der nicht fragt: Was fehlt dir?,
sondern: Was darf weg, damit du  sichtbar wirst?

Bildhauerei. Nicht jeder Widerstand muss überwunden werden. Mancher zeigt, wo die Grenze liegt.

Es gibt zwei Augenblicke in der Bildhauerei, in denen man weiß, jetzt darf ich nicht mehr zögern:
anzufangen und aufzuhören.

Bildhauerei. Irgendwann muss der Hammer zum ersten Mal fallen. Sonst bleibt die Gestalt für immer ein  Klotz.

Bildhauerei. Der erste Hieb ist immer ein Wagnis. Danach gibt es kein Zurück.

Bildhauerei. Der Stein stellt dir keine Fragen. Er antwortet.

Bildhauerei. Mit jedem Schlag stirbt etwas – und etwas anderes beginnt zu leben.

Der Bildhauer zerstört, was nicht bleiben soll – und vertraut darauf, dass das Wesentliche den Schlag  übersteht.

Man kann in der Bildhauerei eine falsche Bewegung nicht ungeschehen machen.
Man kann nur lernen,  mit ihrer Spur weiterzuarbeiten.

Ihr Bildhauer – lebt auf der Grenze zwischen Mut und Zerstörung.
Um so unerklärlicher die Gelassenheit  vieler Werke.





Schnitzen

Schnitzen. Holz ist warm, selbst wenn der Raum kalt ist.

Schnitzen. Das Holz gibt Wärme zurück, noch bevor etwas daraus entstanden ist.

Schnitzen. Man muss Holz nicht nur sehen. Man kann es fühlen.

Schnitzen ist eine Begegnung zwischen Hand und Holz.

Schnitzen. Die Hände werden ruhig, wenn sie etwas Einfaches und Echtes tun.

Schnitzen. Die Späne fallen zu Boden, und mit ihnen fällt oft ein wenig von der inneren Unruhe.

Schnitzen. Vielleicht braucht der Mensch manchmal nichts weiter als ein Stück Holz, ein Messer
und die Erlaubnis, eine Stunde lang still zu sein.

Zwischen den Händen und dem Holz entsteht beim Schnitzen eine Sprache, für die es keine Worte  braucht.

Schnitzen. Das Holz ist warm. Die Klinge ist still. Die Späne fallen.
Und für eine Weile muss nichts anderes  geschehen.

Wer Holz schnitzt, berührt etwas Gewachsenes. Vielleicht tut gerade das so gut.

Schnitzen. Manchmal war das schönste Geräusch eines Tages das leise Schaben einer Klinge über Holz.

Schnitzen. Die Hand begreift manchmal, was das Auge nicht erkennt.

Schnitzen. Die Arbeit riecht plötzlich nach Wald.

Schnitzen heißt, mit dem Unumkehrbaren vorsichtig zu sein.

Erfahrung im Schnitzen macht nicht über den natürlichen Holzwuchs erhaben
sondern geht noch aufmerksamer darauf ein.

Schnitzen. Nicht jeder Widerstand will überwunden werden. Mancher will verstanden sein.

Wer zu hastig schnitzt, verliert nicht nur Holz, sondern vielleicht die Gestalt.

Schnitzen. Das Holz zeigt seine Richtung dem, der langsam genug arbeitet.

Schnitzen. Jeder Span ist ein Stück Vergangenheit, das nicht wiederkehrt.

Schnitzen. Ein Schnitt dauert eine Sekunde. Seine Spur bleibt.





Töpfern

Ton formen. Ton in den Händen. Erde zwischen den Fingern. Eine einfache Form von Gegenwart.

Ton antwortet auf jede Berührung. Er lässt sich ein.

Ton holt die Hände zurück in die Gegenwart.

Töpfern. Entstehung fühlen.

Töpfern. Ton erzählt: Wir sind vielleicht weniger fertig, als wir glauben.

Töpfern. Man kann Ton nicht überreden. Er wartet auf die Hand.

Töpfern. Jede Fingerspur erzählt: Hier war jemand.

Töpfern. Man kann Ton nicht berühren, ohne selbst etwas von ihm abzubekommen.

Töpfern. Die Hände werden schmutzig und der Mensch ist wieder ganz da.

Töpfern. Eine Gestalt entsteht nicht auf einmal. Sie wächst aus vielen kleinen Berührungen.

Töpfern. Vielleicht ist Formen deshalb so schön: Weil etwas nachgibt, ohne sich aufzugeben.

Töpfern erlaubt sogar, was das Leben oft nicht erlaubt: noch einmal anfangen.

Töpfern. Was heute noch eine Kugel ist, kann morgen eine Schale sein.

Töpfern. Vielleicht tut es gut, wieder einmal etwas zu berühren, das nicht aus Bildschirm besteht.

Beim Töpfern verschwindet die Grenze zwischen Material und Hand.

Töpfern. Eine misslungene Form vergessen und wieder von vorne beginnen.
Vielleicht ist das eine reale Erfahrung, die Menschen brauchen.

Das gute am Töpfern: Wenn es nicht schön wird, können wir es immer noch benutzen.






Malen, Zeichnen

Malerei. Das weiße Blatt schließt die Augen, lächelt, atmet still.
Es spielt mit dir: Der Lehrer wischt die Tafel aus . . .

Male es, wie es war. Wie es sein könnte. Oder ganz anders. Aber male es.

Malerei. Deine Hand erzählt. Das Blatt lauscht.

Malerei. Die Farbe darf laut sein. Und sie darf schweigen. Was du sagen möchtest – mal es.
Es wird sowieso das.

Malerei. Ein weißes Blatt. Ein Mensch darf wieder anfangen.

Malerei. Manches Bild braucht den Mut zu weißen Flächen.

Malerei. Man darf eine Farbe wählen, für die es im wirklichen Leben keinen Grund gibt.

Wer zeichnet, lernt, genauer zu sehen.

Zeichnen. Die Linie folgt der Aufmerksamkeit.

Zeichnen. Eine Linie ist eine Entscheidung.

Manchmal sieht man erst beim Zeichnen, was man eigentlich sieht.

Zeichnen. Ein Radiergummi ist kein Zeichen des Scheiterns. Es ist Zeichen des Verzeihens.

Man muss nicht gut zeichnen können, um aufmerksam zu sehen.

Zeichnen. Das leise Kratzen des Stifts kann einen Raum beruhigen.

Malerei. Der lautlose Pinsel singt ein Bild.

Zeichnen. Wer sagt, dass ein Haus gerade stehen muss?

Zeichnen. Originalität beginnt dort, wo der Radiergummi aufgibt.






Akrobatik

Akrobatik. Manchmal ist es gut, etwas zu tun, das völlig unnötig und wunderbar ist.

Akrobatik. Hier darf dein Körper Dinge lernen, die dein Leben vielleicht nie von ihm verlangt hätte.

Akrobatik. Was gestern noch verrückt war, kann morgen eine eigene Bewegung sein.

Akrobatik beginnt dort, wo der Boden nicht mehr selbstverständlich ist, sondern heute nur eine  Möglichkeit.

Akrobatik: die freundliche Aufforderung an die Schwerkraft, mal kurz zu warten.

Akrobatik. Wir wissen noch nicht, ob das funktioniert. Das ist ja das Spannende.

Akrobatik.  Wenn es beim ersten Mal klappt, war es wahrscheinlich zu einfach.

Akrobatik. Ein Körper, der sich traut, wird plötzlich größer als seine Gewohnheiten.

Akrobatik. Ein Glücksgefühl, wenn der Körper plötzlich etwas kann, womit niemand gerechnet hat.

Akrobatik.  Warum auf zwei Beinen stehen, wenn es auch auf den Händen geht?

Akrobatik. Kopf nach unten. Welt nach oben. Alles richtig.

Akrobatik ist Vertrauen, das sichtbar geworden ist.

Akrobatik. Für wen, fallen zu können, ein Problem ist: Unbeweglich bleiben ist vielleicht auch nicht  Lösung.

Akrobatik. Vertrauen beginnt dort, wo Kontrolle nicht mehr ausreicht.

Akrobatik ist Vertrauen in Bewegung.

Akrobatik. Man kann auch rückwärts, kopfüber oder seitwärts durchs Leben gehen.

Akrobatik. Der Körper kann mehr, als der Kopf ihm zutraut.

Akrobatik. Mut beginnt oft nur wenige Zentimeter über dem Boden.

Akrobatik. Wer fallen lernt, vergisst die Angst.

Akrobatik. Wer einmal sicher gefallen ist, bewegt sich beim nächsten Mal freier.

Akrobatik. Der Sprung ist kurz. Das Vertrauen davor kann Jahre brauchen.

Akrobatik. Manchmal muss man sich auf jemanden verlassen, der gerade unter einem steht.

Akrobatik. Wer sich tragen lässt, muss nicht schwach sein.

Akrobatik. Einer trägt. Einer vertraut. Dann wird gewechselt.

Akrobatik. Oben ist schön. Unten ist auch wichtig.

Akrobatik. Man muss dem anderen glauben, bevor man sich fallen lassen kann.

Akrobatik. Ein Körper wird leicht, wenn er Vertrauen findet.

Akrobatik. Mut sieht von außen oft viel schöner aus, als er sich von innen anfühlt.

Akrobatik. Nicht alles muss vorgezeigt werden.

Akrobatik. „Ich kann das!“ sagt der Mensch oft vor dem ersten Mal – und dann erst mal nicht mehr.

Akrobatik. Wer behauptet, das sei einfach, darf es vorzeigen.

Akrobatik. Das sah jetzt leichter aus, als es war.

Akrobatik. Wer nur gelernt hat, nicht zu fallen, hat vielleicht noch nicht gelernt, wieder aufzustehen.

Akrobatik. Hinfallen ist erlaubt. Dramatisch gucken auch. Lachen auch – aber nur über sich selber.

Akrobatik zeigt: Jeder Mensch kann fallen. – Und? Deswegen üben wir ja.

Akrobatik. Vertrau deinem Körper. Er erinnert sich an vieles, was dein Kopf längst vergessen hat.




Bewegung, Spiel

Bewegung. Der Körper will nicht nur funktionieren. Er will spielen.

Bewegung. Man darf auch laufen gehen, ohne irgendwohin zu müssen.

Bewegung. Laufen kann auch bedeuten, wieder bei sich anzukommen.

Bewegung. Manchmal ist die eigentliche Leistung, überhaupt loszulaufen.

Bewegung. Der letzte Läufer hat auch die ganze Strecke hinter sich.

Bewegung.  Manchmal ist Durchhalten größer als Gewinnen.

Bewegung. Ein Ball fliegt. Jemand fängt ihn. Für einen Augenblick – ihre Verbindung.

Bewegung. Der schönste Sieg kann sein, trotzdem nochmal mitspielen zu wollen.

Bewegung. Der eigene Körper darf Freude machen, ohne einen Zweck erfüllen zu müssen.

Wer mit anderen spielt, übt mehr als eine Bewegung.

Bewegung.  Wer den Ball abgibt, verliert ihn – und schafft dadurch ein Spiel.

Manchmal ist der wichtigste Spieler der, der den Ball weitergibt.

Wer immer gewinnen muss, hat irgendwann vergessen, warum gespielt wird.
Der Gegner ist im Spiel nicht der Feind. Er macht es erst möglich.

Ein Tor ist ein Augenblick. Das Zusammenspiel dauert länger.

Bewegung. Man kann sich anstrengen, ohne sich beweisen zu müssen.

Bewegung. Ein Mensch darf an seine körperliche Grenze gehen, ohne seinen Wert an ihr messen zu  müssen.

Nicht jeder, der zurückbleibt, ist schwach. Vielleicht trägt er gerade etwas, das niemand sieht.

Vielleicht ist das eigentliche Ziel des Spiels nicht, besser zu sein als der andere,
sondern gemeinsam etwas entstehen zu lassen, das allein nicht möglich wäre.

Du darfst schnell sein, langsam sein, gewinnen, verlieren, stolpern und wieder anfangen –
ohne deshalb mehr oder weniger wert zu sein.






Yoga, Meditation, Stilleraum

Du musst nicht weiterkommen. Du darfst ankommen.

Yoga verlangt nicht, anders zu sein. Es lädt ein, genauer zu spüren, wie du gerade bist.

Yoga. Dehne dich nicht über dich hinaus. Spüre, wo du bist.

Yoga. Jede Haltung ist eine Begegnung mit einer Grenze.

Yoga. Du musst deinen Körper noch nicht beherrschen, um ihn kennenzulernen.

Yoga. Der Atem verlangt keine Leistung.

Yoga. Nicht höher, weiter, schneller. Nur tiefer bei dir.

Yoga. Du musst deinen Körper nicht besiegen. Du darfst ihm zuhören.

Yoga. Wenn nichts geschehen muss, kann etwas geschehen.

Meditation. Du bist nicht jeder Gedanke, der durch dich hindurchgeht.

Meditation. Die Stille gibt keine Antworten. Sie macht hörbar, was da ist.

Meditation. Menschen, die ihr ganzes Leben lang funktionierten, brauchen irgendwann einen Ort,
an dem nichts von ihnen verlangt wird.

Meditation. Nicht jede Unruhe muss bekämpft werden. Manche möchte nur wahrgenommen werden.

Meditation. Man kann einen Menschen nicht zur Ruhe zwingen. Man kann ihm nur einen Raum geben,
in dem Ruhe  möglich wird.

Meditation. Manchmal ist der erste Schritt zur Veränderung, nichts mehr verändern zu wollen.

Meditation. Zwischen zwei Atemzügen liegt ein kleiner Ort ohne Eile.

Yoga. Manchmal ist die wohltuendste Bewegung eine, die fast nicht zu sehen ist.

Meditation. Die Stille trägt, wenn man aufhört, von ihr getragen werden zu wollen.

Meditation. Du musst gerade nirgendwohin. Hier muss nichts geschehen.






Wandern, Natur

Wandern. Es ist Zeit zu gehen.

Der Weg verlangt nicht, dass du schon weißt, wohin er führt. Er will dir zeigen, wo du bist.

Zu Fuß wird die Welt wieder groß.

Ein Weg wird nicht kürzer, wenn man sich über ihn ärgert.

Die Natur wartet nicht auf dich. Und gerade das kann befreiend sein.

Manchmal muss man nur lange genug gehen, bis der Kopf aufhört, voranzulaufen.

Regen ist kein schlechtes Wetter für jemanden, der lernen möchte, Wetter zu spüren.

Die Natur kennt keine Eile und keinen Stillstand.

Ein alter Baum muss nicht mehr beweisen, dass er einmal jung war.

Die Natur ist einer der wenigen Orte, an denen der Mensch nicht im Mittelpunkt steht.

Wandern. Vielleicht müssen wir gelegentlich an Orte gehen, an denen nichts auf unsere Meinung wartet.

Manchmal genügt es, unter einem Baum zu sitzen, der nichts von einem will.

Wer durch die Natur geht, begegnet einer Welt, die nicht nach menschlichem Maß geschaffen wurde.

Ein Wald braucht unsere Bewunderung nicht.
Vielleicht können wir dort deshalb endlich aufhören, uns selbst bewundern zu müssen.

Der Weg unter dir, der Himmel über dir und dazwischen ein Mensch, der wieder Zeit hat.

Geh langsam genug, dass die Landschaft dich bemerkt.

Der Wald spricht nicht. Und doch gibt es Menschen, die dort zum ersten Mal seit Langem wieder verstehen.

Oft führt Wandern nicht nach draußen, sondern nach innen.






Schwimmen

Schwimmen ist ein Gespräch zwischen Bewegung und Atem.

Schwimmen. Im Wasser wird jeder Atemzug kostbar.

Schwimmen. Der Atem kennt den Weg, wenn der Kopf ihn nicht mehr kennt.

Schwimmen. Im Wasser sind alle gleich nass.

Wer immer festen Boden braucht, wird manche Wege nie gehen. Beispielsweise zum Schwimmen.

Auch im Leben gibt es auch Strecken, auf denen man nicht stehen, sondern nur weiter schwimmen kann.

Das Wasser trägt dich, sobald du aufhörst, es tragen zu wollen.

Schwimmen. Der Boden fehlt – und trotzdem trägt dich etwas.

Schwimmen. Kein einzelner Armzug bringt dich weit. Aber jeder gehört dazu.

Schwimmen ist Wiederholung ohne Langeweile.

Schwimmen. Immer wieder derselbe Zug – und doch nie derselbe Moment.

Schwimmen. Man muss nicht schneller werden. Manchmal muss man nur gleichmäßiger werden.

An der Oberfläche schwimmt man. Darunter beginnt eine andere Welt.

Schwimmen. Die Tiefe ist nicht gefährlich, weil sie tief ist. Sie ist gefährlich, wenn man sie unterschätzt.

Schwimmen. Manchmal muss man untertauchen, um wieder klarer sehen zu können.

Schwimmen. Unter Wasser hört vieles auf, wichtig zu sein.

Schwimmen. Die Oberfläche ist nur die Grenze zwischen zwei Welten.

Schwimmen. Das Wasser beeindruckt nicht, wie wichtig du sonst bist.

Schwimmen. Schneller ist eine Geschwindigkeit. Kein Charakter.

Schwimmen. Die Länge der Strecke sagt nichts über die Tiefe der Erfahrung.

Schwimmen. Ein wenig Kälte – und plötzlich ist der ganze Mensch wieder wach.

Schwimmen. Es beginnt mit einem Schauer und endet mit einem Gefühl von Leben.

Schwimmen. Kaltes Wasser beißt zu Anfang. Dann küsst es.

Schwimmen. Erst ein Frösteln, dann ein Lächeln.

Schwimmen. Das Wasser weckt, was die Gewohnheit eingeschläfert hat.

Schwimmen. Manchmal ist ein kaltes Wasserbad eine zärtliche Erinnerung daran, dass man einen Körper hat.

Schwimmen. Wer ins Wasser steigt, gibt seinen Körper für einen Augenblick dem Element zurück.






Basteln

Basteln. Aus einem Stück Papier kann mehr werden, wenn man es in die Hand nimmt.

Basteln. Das Einfache wird interessant, sobald man es berührt.

Basteln ist Leben mit Klebstoff an den Fingern.

Basteln. Eine Vorstellung wird zur Form – und plötzlich hältst du sie in der Hand.

Basteln. Du hast es dir ausgedacht. Nun mach es.

Basteln. Schneiden, falten, kleben: Manchmal braucht Kreativität keine großen Worte. Dann wird aus Wenig etwas Eigenes.

Basteln. Ein schiefer Schnitt ist noch kein Fehler. Vielleicht ist er der Anfang.

Basteln. Manchmal beginnt Gestaltung mit einem Knick.

Basteln. Hier darf geklebt werden, was im Leben nicht zusammengehört.

Basteln. Manchmal ist das Schönste an einer Idee, dass sie völlig anders endet.
Manchmal ist die schönste Überraschung, dass es genauso wird, wie du wolltest.

Basteln. Hier darf aus ‚Was soll das werden?‘ ein ‚Schau mal!‘ entstehen.

Basteln. Wenn es gelingt, war es vielleicht doch kein Zufall. Wenn es schief wird, schau erst einmal, was daraus geworden ist.

Basteln. Manches entsteht, weil du es wolltest. Manches, weil du es zugelassen hast.

Basteln. Perfektion kann man kaufen. Eigenes muss man machen.

Basteln. Das Unvollkommene hat wenigstens eine Geschichte.

Basteln. Was nicht nach Plan aussieht, kann trotzdem nach dir aussehen.






Filzen, Stricken, Nähen

Stricken. Eine Masche allein wärmt noch nicht.

Stricken. Alles Beginnt mit einer Masche.

Stricken. Ein Faden – und Geduld.

Stricken. Die Hände zählen weiter, wenn der Kopf längst woanders ist.

Stricken. Man kann Gedanken verlieren und dabei einen Schal gewinnen.

Häkeln. Zeit vergeht sowieso. Man kann dabei auch etwas machen.

Häkeln. Was man selbst gemacht hat, sieht man anders.

Filzen. Manches braucht Reibung und Bewegung, damit es zusammenhält.

Filzen. Zusammenhalten kann man lernen.

Filzen: Zusammenhalten ist Handarbeit.

Filzen. Weichheit ist nicht das Gegenteil von Stärke.

Nähen: Es ist mir noch nicht egal.

Nähen, was nicht passt, kann man ändern.

Eine Naht darf sichtbar sein. Was repariert wurde, hat seine eigene Geschichte – manchmal origineller als das Original.

Was mit den Händen langsam entsteht, bekommt eine andere Beziehung zu uns.






Dichter- und Schriftstellertreff

Literatur. Eigene Texte. Fremde Texte. Gemeinsames Lesen. Was du schreibst, darf gehört werden.

Literatur. Manche Worte brauchen einen Menschen, der ihnen zuhört.

Literatur. Ein gutes Wort findet manchmal erst im Gegenüber seine Bedeutung.

Literatur. Lies vor. Vielleicht wartet jemand genau auf diesen Satz.

Literatur. Ein Blatt kann bewahren, was der Mensch sonst vergessen würde.

Literatur. Ein Dichter muss nicht recht haben. Er muss etwas sehen.

Literatur. Manchmal erkennt man sich in einem fremden Wort.

Literatur beginnt dort, wo das Erlebte mehr werden darf als eine Erinnerung.

Literatur. Ein Satz kann eine Tür sein.

Literatur. Manchmal findet ein Mensch sich selbst in den Worten eines anderen.

Literatur. Manchmal weiß man erst beim Schreiben, was man denkt.

Literatur. Schreiben heißt auch, herauszufinden, was man eigentlich sagen wollte.

Literatur. Der erste Satz darf schlecht sein. Er muss nur kommen.

Literatur. Ein Gedicht muss nicht verstanden werden, um etwas zu berühren.

Literatur. Wir müssen nicht dieselben Geschichten haben, um einander zuzuhören.

Literatur. Ein guter Satz lässt etwas offen, damit der andere eintreten kann.

Literatur. Worte sind klein. Was sie tragen können, ist es nicht.

Literatur. Hier darf ein Satz auch einmal völlig unnötig schön sein.

Literatur. Was nicht mehr zurückkommt, kann vielleicht noch beschrieben werden.
Manche Erinnerungen verblassen. Manche werden zu Gedichten.

Literatur. Manche Worte kommen zu spät. Und sind gerade deshalb wichtig.

Literatur. Es gibt Worte, die man erst findet, wenn man etwas verloren hat.

Literatur. Manches Schweigen wird erst durch ein Gedicht hörbar.

Literatur. Wer schreibt, kann dem Vergangenen keinen neuen Tag geben. Aber einen Ort.

Literatur. Ein Gedicht kann ein ein kleiner Ort sein für etwas, das keinen anderen Platz mehr hat.

Literatur. Das Vergangene spricht nicht. Deshalb schreiben wir.

Literatur. Manche Dinge werden nicht verständlicher, wenn man über sie schreibt. Nur wahrer.

Literatur. Ein guter Text nimmt dem Leben nichts von seiner Rätselhaftigkeit.






Windvogel

Die Windvögel hängen ohne Worte da zum Ausleihen.






Garten und Feld

Erde an den Händen ist kein Schmutz. Sie ist Erinnerung.

Manchmal tut es gut, etwas in den Händen zu haben, das einfach Erde ist.

Ein Spaten kennt keine Theorie.

Man pflanzt nicht für den heutigen Tag.

Garten-Pflege ist eine stille Form von Zuneigung.

Ein Garten zeigt, dass Aufmerksamkeit Wirkung hat.

Unkraut jäten ist auch eine Form des Entscheidens.

Der Acker erinnert daran, dass Nahrung einmal Hände hatte.

Ackerbau. Hier wächst nichts auf Knopfdruck.





Hausmeister helfen

Hausmeister helfen. Hier darfst du dafür sorgen, dass etwas funktioniert.

Hausmeister helfen. Nicht alles Wertvolle muss neu gebaut werden. Vieles nutzt lange,
wenn sich jemand darum kümmert.

Hausmeister helfen. Verantwortung beginnt oft bei dem, was niemand bemerkt.

Hausmeister helfen. Wer pflegt und repariert, gibt einem Ort etwas von sich.

Hausmeister helfen. Der Durchblick beginnt dort, wo das Dazwischen verschwindet.
Überzeug dich – Putz Fenster.

Hausmeister helfen. Ein Fenster ist sauber wenn man es nicht mehr bemerkt.

Hausmeister helfen. Wenn’s oben reinläuft, hilft unten kein Aufwischen.

Hausmeister helfen. Wo es tropft, läuft etwas nicht richtig. Wenn’s nicht mehr tropft, läuft’s wieder.

Hausmeister helfen. Ein sauberer Weg beginnt mit einem Besen.

Hausmeister helfen. Was sich schwer bewegt, braucht nicht immer mehr Kraft. Manchmal Öl.






Küche

Küche. Hier entsteht nichts, was vorgezeigt, ausgestellt oder archiviert wird.
Hier wird gemacht, was gebraucht wird.

Küche. Was hier entsteht, wird nicht bewahrt. Es wird gegeben.

Küche. Das Schönste an einem guten Essen ist, dass es nichts Bleibendes sein muss.

Küche. Manches ist gerade deshalb wertvoll, weil es nicht bleibt.

Küche. Das Vergängliche kann sehr lecker sein.

Küche. Nach dem Kochen verschwindet das Werk und wird dabei zu etwas Neuem:
Gemeinschaft, Genuss, Kraft.

Küche. Ein gutes Essen braucht nicht viel. Aber es braucht jemanden, der es macht.

Küche. Liebe geht manchmal durch einen Topf.

Küche. Manchmal ist ein voller Teller die einfachste und passendste Form von Fürsorge.

Küche. Einen Menschen zu versorgen heißt, sein Leben für einen Augenblick mitzutragen.

Küche. Ein gedeckter Tisch sagt: Du bist versorgt.

Küche. Für jemanden zu kochen heißt, an ihn zu denken, bevor er am Tisch sitzt.

Küche. Was ein Mensch zum Leben braucht, darf nichts Geringes sein.

Küche. Ein warmes Essen kann eine stille Antwort auf vieles sein.

Küche. Was selbstverständlich auf dem Tisch steht, ist selten selbstverständlich entstanden.

Küche. Was auf dem Tisch liegt, hat vorher jemand getragen.

Küche. Versorgen beginnt, bevor jemand Hunger hat.

Küche. Einer schneidet, einer rührt, einer probiert.

Küche. Wer gemeinsam isst, sitzt schon ein wenig näher beieinander.

Küche. Am Tisch sind Teller wichtiger als Rollen.

Küche. Dankbarkeit zeigt sich manchmal am Spülbecken.





An den Duschen

Manchmal tut es gut, wieder frisch anzufangen.





Ruheraum

Hier musst du nichts tun.





Kinderbetreuung

Kinderbetreuung. Kinder großziehen war nie als Einzelleistung gedacht.

Kinderbetreuung. Heute sind deine Kinder unsere. Morgen sind unsere deine.

Kinderbetreuung. Kinder brauchen nicht viel. Aber sie brauchen jemanden.

Kinderbetreuung. Wer auf ein Kind aufpasst, bekommt Vertrauen geschenkt.

Kinderbetreuung. Ein Kind braucht keine Aufsicht. Es braucht Aufmerksamkeit.

Kinderbetreuung. Kinder gehören nicht an den Rand einer Gemeinschaft.

Kinderbetreuung. Ein guter Ort muss auch für kleine Menschen Platz haben.

Kinderbetreuung. Aufpassen heißt: Da sein, wenn man gebraucht wird.

Kinderbetreuung. Kinder merken, ob jemand wirklich da ist.

Kinderbetreuung. Wer einem Kind Zeit schenkt, schenkt ihm mehr als Zeit.

Kinderbetreuung. Zeit ist etwas, das man einem Kind nicht später nachreichen kann.

Kinderbetreuung. Ein Kind erinnert uns daran, dass Entwicklung Zeit braucht.

Kinderbetreuung. Für ein Kind da zu sein, heißt nicht, alles zu wissen. Es heißt, nicht wegzusehen.

Kinderbetreuung. Kindheit kann man nicht nachholen. Aber man kann sie ernst nehmen.

Kinderbetreuung. Wer glaubt, sieben Kinder seien anstrengend, hat noch nie versucht,
sieben Erwachsene zu  koordinieren.

Kinderbetreuung: Der Moment, in dem Eltern ihren Tee mal wieder heiß trinken können.






Stiftung

Wir bauen keine Antwort. Wir bauen einen Ort, an dem Fragen Platz haben.

Wir bauen keinen fertigen Zustand. Wir bauen einen guten Anfang.

Wir wollten etwas Großes schaffen. Dann merkten wir, dass Größe gar nicht das Entscheidende war.
Wir suchten nach besonderer Kreativität und fanden Menschen.
Wir wollten Menschen etwas beibringen. Dann begannen wir ihnen zuzuhören.
Vielleicht muss unsere Haltung nicht fester werden. Vielleicht muss sie lockerer werden.
Weniger darum bemüht, möglichst viele Menschen zu erreichen, und mehr darum,
jedem einzelnen Menschen wirklich zu begegnen.

Wir wollen Menschen nicht auf ihre Stärken oder Schwierigkeiten festlegen.
Wir möchten ihnen begegnen in dem, was sie leben möchten.
Hier muss niemand weder sein Genie noch seine Bedürftigkeit vorzeigen, um dazugehören zu dürfen.
Nicht: Schaut, was ein Mensch hat. Sondern: Was möchte durch ihn geschehen?

Niemand ist hier nur der, der gibt. Niemand ist hier nur der, der empfängt.

Wir fördern nicht deine Rolle. Wir freuen uns an deinem Echtwerden.

Wir müssen nicht wissen, was du bist. Wir dürfen sehen, wie du wirst.

Die Stiftung will nicht behaupten, dass sie bereits das verkörpert, was sie beschreibt.
Wir sind noch nicht  so weit. Und wir wissen das. Und wir machen trotzdem weiter.

Begegnungswoche. Vielleicht ist diese Woche keine Einladung, etwas Besonderes zu erleben.
Vielleicht ist sie eine  Einladung, dem Einfachen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Nicht alles, was uns in dieser Woche berührt, wird sich in Worte fassen lassen.
Das muss kein Mangel sein.
Wir haben in der Stiftung festgestellt:
Besonders das Wesentliche scheint gar keinen so großen Wert darauf zu legen, ständig erklärt zu werden.

Um eine Begegenungs-Woche Wirklichkeit werden zu lassen, genügt es vielleicht, wenn wir echt sind.

Wir sind nicht hier, weil wir schon etwas wissen. Wir sind hier, um aufmerksam zu werden.

Vielleicht erkennt man einen guten Ort daran, dass Menschen dort freundlicher mit sich selbst werden.

Harmonie – sicher.
Aber ein lebendiger Ort muss nicht ständig versuchen,
für alle angenehm zu sein.
Nicht alles, was stört, ist eine Störung.
Nicht jede Irritation braucht eine Entschuldigung.
Wir wollen keinen Ort, an dem alle zufrieden aussehen.
Wir wollen einen, an dem Menschen echt sind.
Wo niemand aneckt, bewegt sich vielleicht auch nichts.
Wer immer angenehm sein will, wird vielleicht irgendwann unangenehm.
Wir meinen das alles ernst, aber wir nehmen uns dabei nicht sakral.



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